Internationale Bolschewistische Tendenz (IBT) — Nieder mit dem mörderischen zionistischen Terror im Libanon und in Gaza! Für eine sozialistische Föderation des Nahen Ostens! In: Bolschewik 16 (2007) Nr. 24., S. 26-31. — Version: 2011-10-06. — Geladen: 2017-11-18
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Nieder mit dem mörderischen zionistischen Terror im Libanon und in Gaza!

Für eine sozialistische Föderation des Nahen Ostens!

Vor drei Wochen pulsierte der Seehafen von Beirut am Mittelmeer mit kommerzieller Aktivität. Seither besteht der Hauptexport aus nordamerikanischen und europäischen Flüchtlingen, die verzweifelt versuchen, den mörderischen zionistischen Luftbombardierungen zu entkommen, die auf die Stadt regnen. Die israelischen Verteidigungskräfte, die Premierminister Ehud Olmert heuchlerisch als "die moralischste Armee der Welt" (Jerusalem Post, 11. Juni) beschrieb, erklärten öffentlich ihre Bereitwilligkeit, den Libanon 20 Jahre zurückzurollen - ein Hinweis auf die Verwüstung des Landes, die der 15jährige Bürgerkrieg angerichtet hatte.

Im Juni 1982, in der Mitte dieses kommunalen Konflikts, marschierte Ariel Sharon an der Spitze einer Invasion der israelischen Armee nach Beirut. Die "Operation Frieden für Galiläa" wurde zunächst als begrenzte Intervention ausgegeben, die nur die PLO Katyusha-Raketenabschußrampen von der Grenze verdrängen sollte, war aber tatsächlich darauf gerichtet, die säkulare nationalistische Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) zu zerstören und den Libanon in ein israelisches Protektorat umzuwandeln.

Israelische Soldaten töteten mindestens 17.000 Menschen, konnten jedoch die PLO nicht zerschlagen. Die brutale Besetzung war der Anstoß für die Geburt der Hisbollah, den "Islamischen Widerstand des Libanon", eine einheimische Formation mit tiefen Wurzeln in der beträchtlichen schiitischen Minderheit des Landes. Die israelische Armee behielt bis zum Jahr 2000 einen Streifen im Südlibanon, bis sie schließlich nach einem langen Zermürbungskrieg von den Guerillas der Hisbollah verjagt wurde, die sich dadurch auszeichnen, dass sie die einzige arabische militärische Formation sind, die den Zionisten eine eindeutige Niederlage bescherte. Israels rassistische herrschende Klasse, der diese Erniedrigung tief in den Knochen steckt, hat seither immer nach Rache gelüstet.

Die gegenwärtige Krise hat ihren augenblicklichen Ursprung im Wahlsieg der Hamas im vergangenen Januar. Die Hamas, eine überwiegend islamistische Organisation, basierend auf palästinensischen Sunniten, wurde von den israelischen Nachrichtendiensten in den späten 70er Jahren verdeckt unterstützt, um den Einfluß von Jassir Arafat und seiner Bewegung zu schwächen. Im jüngsten Wettstreit um Parlamentssitze profitierten die Kandidaten der Hamas von der weitverbreiteten Unzufriedenheit mit der korrupten und diskreditierten PLO-Regierung. Das Leben für die Million palästinensischer Bewohner des winzigen Bantustan, das als Gazastreifen bekannt ist, war bereits unerträglich. Als die Hamas jedoch versuchte, eine Regierung zu bilden, erlegte Israel, mit der Unterstützung seines US-Paten, strenge Wirtschaftssanktionen auf und hielt die 50 Millionen Dollar pro Monat zurück, die es durch Zolleinnahmen in den besetzten Gebieten sammelt. Mit diesem Geld bezahlen die palästinensischen Behörden die Gehälter der Hälfte ihrer 140.000 Angestellten.

Die Hamas erklärte im Februar 2005 einen Waffenstillstand mit Israel, der sechzehn Monate dauerte, aber die israelische Armee gab ihr Programm der "zielgerichteten Tötungen" der palästinensischen Widerstandskämpfer und vieler unglücklicher Umstehender nie auf. Die Statistiken des Roten Halbmond zeigen 73 durch das israelische Militär getötete Palästinenser in Gaza allein im April und Mai. Die Hamas nahm ihren Waffenstillstand schließlich am 10. Juni zurück, nachdem sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie, die an einem Gaza-Strand Urlaub machten, durch ein israelisches Artilleriegeschoß getötet wurden. Israel weigerte sich, die Verantwortung zu übernehmen aber lehnte die Erlaubnis zu einer unabhängigen Untersuchung ab.

Einige Wochen später, am 24. Juni, gingen israelische Soldaten in den Gazastreifen und entführten zwei Zivilisten, einen Doktor und seinen Bruder. Die meisten westlichen Medien ignorierten dies, aber am nächsten Tag, als palästinensische Militante reagierten, indem sie Gilad Shalit, einen israelischen Obergefreiten, in einem kühnen Überfall auf einen israelischen Armee-Posten bei Kerem Shalom, gefangen nahmen, wurde das weltweit zur Titelseiten-Nachricht. Die Israelis revanchierten sich, indem sie die Pipeline unterbrachen, die Gaza mit Kraftstoff beliefert, alle Grenzübergänge schlossen und erneut Luftangriffe und Artilleriebombardierungen begannen. Am 28. Juni zerstörten israelische Flugzeuge Gazas einziges Elektrizitätswerk. Jan Egeland, Koordinator für Nothilfe der Vereinten Nationen, sagte: "Wir sind sehr besorgt über die Situation im Gazastreifen und, insbesondere, den Mangel an Energie und Wasser, die Auswirkungen auf Abwasser und humanitären Zugang" (Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten, 30. Juni). Solche Maßnahmen der "kollektiven Bestrafung" der Zivilbevölkerungen sind durch die Genfer Konventionen verboten, aber den Zionisten wurde ein Freibrief von ihrem US-Paten gegeben, tun zu können, wie ihnen beliebt.

Die Hisbollah gegen Israels Armee: Einmal mehr David & Goliath

Am 12. Juli, dem achtzehnten Tag der Belagerung von Gaza, lauerten Hisbollah-Kämpfer einer Patrouille an der Nordgrenze zu Israel auf, töteten drei israelische Soldaten und nahmen zwei gefangen. Sie zerstörten dann einen der Panzer, der zu ihrer Verfolgung geschickt wurde, und dessen vierköpfige Besatzung. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallahs Vorschlag für einen Gefangenenaustausch wurde von den Israelis abgelehnt, die daraufhin die heftige Luftbombardierung der schiitischen Gebiete in Beirut und im Südlibanon begannen, bei dem auch große Teile der zivilen Infrastruktur des Landes beschossen wurden, einschließlich des Flughafens Beirut, der Brücken und Hauptstraßen, um das südliche Drittel des Landes effektiv abzuriegeln.

In den landesweiten Wahlen im Libanon im Mai und Juni 2005, bekamen die Hisbollah-Kandidaten - zusammen mit ihren islamistischen Verbündeten von Amal - 29 der 128 Sitze im libanesischen Parlament. Während die populären Medien in den imperialistischen Ländern sie als kaum besser als "Terroristen" abtun, ist die Hisbollah tief innerhalb der verarmten schiitischen Bevölkerung Libanons verwurzelt.

"Die Randgebiete von Beirut sind als Dahiya bekannt, arabisch für `Vororte'. Es bedeutet heute das arme, überfüllte und manchmal gefährliche Labyrinth von Slums, das auch Hisbollah-Land ist. Seine schmutzigen Gassen sind gerammelt voll mit Betonhütten&

Die Hisbollah ist zu einem Unternehmen in der Dahiya geworden und übertrifft den Staat häufig an Leistung. Sie betreibt ein großes Krankenhaus sowie Schulen, Diskontapotheken, Lebensmittelgeschäfte und ein Waisenhaus. Sie betreibt einen Müllabfuhrdienst und ein Wiederaufbauprogramm für die Häuser, die während der Invasion Israels beschädigt wurden. Sie unterstützt die Familien der jungen Männer, die sie in den Tod geschickt hat. Gesamt gesehen unterstützt sie geschätzte 250.000 Libanesen und ist der zweitgrößte Arbeitgeber des Landes."

-- Washington Post, 16. Juli 2006

Die israelische Armee hat ihre Luftangriffe auf schiitische Gebiete im Südlibanon mit Warnungen an die Zivilbevölkerung verbunden, ihre Häuser zu verlassen oder die Zerstörung mitzuerleben. Die imperialistischen Medien zitieren dies als Beweis für die Menschlichkeit der zionistischen Schlächter, statt einem Hang zur "ethnischen Säuberung." Die israelische Regierung scheint damit gerechnet zu haben, dass der Widerwillen gegen einen massiven Zuzug der verarmten schiitischen Flüchtlinge in den Gebieten der Drusen, Sunniten und Christen verstärkte Feindseligkeit gegen die Hisbollah produzieren würde. Bisher ist jedoch der größte Zorn gegen das israelische Miltär gerichtet. Tel Avivs Hoffnung, dass sich, sobald die Wogen wieder geglättet sind, ein gefügiges Semi-Marionettenregime in Beirut bilden könnte, dazu bereit, die Kosten für die Unterdrückung der schiitischen Milizen zu übernehmen, wurde zerstört. Israels Herrscher tragen sich schon lange mit ähnlichen Phantasien für ihren nördlichen Nachbarn:

"1955 schlug David Ben Gurion vor, einen christlichen Offizier' zu nehmen und ihn als Diktator einzusetzen. Moshe Sharet zeigte auf, dass diese Idee auf der totalen Unwissenheit der libanesischen Gegebenheiten basierte und torpedierte sie. 27 Jahre später versuchte Ariel Sharon dennoch, sie umzusetzen. Bachir Gemayel wurde tatsächlich als Präsident eingesetzt, nur, um bald danach ermordet zu werden. Sein Bruder, Amin, wurde sein Nachfolger und unterzeichnete einen Friedensvertrag mit Israel, aber wurde aus dem Amt gejagt. (Derselbe Bruder unterstützt jetzt öffentlich die israelische Operation.)"

-- Uri Avnery, "The Real Aim", Gush Shalom, Znet, 17. Juli.

Tanya Reinhart, Akademikerin in Tel Aviv, argumentiert, dass dieser letzte israelische Akt der Aggression im Libanon innerhalb des Kontextes der fortgesetzten Geschichte des zionistischen Expansionismus in der Region verstanden werden muß:

"Die Menschen im Libanon wissen, wie auch jeder Israeli, der alt genug ist, sich daran zu erinnern, dass in der Vision des Ben Gurion, Israels Gründervater und erster Führer, Israels Grenze 'natürlich' sein sollte, das heißt - der Fluß Jordan im Osten und der Litani Fluß des Libanon im Norden. 1967 gewann Israel die Kontrolle über den Jordan im besetzten palästinensischen Land, aber alle Versuche, die Litani-Grenze zu etablieren haben sich bis jetzt als erfolglos herausgestellt.

Wie ich bereits in Israel/Palästina argumentierte, als die israelische Armee im Jahre 2000 den Südlibanon verließ, waren die Pläne zur Rückkehr bereit. Aber in Israels militärischer Vision sollte in der nächsten Runde das Land erst von seinen Bewohnern 'gesäubert' werden, wie Israel es mit den syrischen Golanhöhen tat, als es sie 1967 besetzte, und wie es das jetzt im Südlibanon macht."

-- "Israel's 'new Middle East'", Counterpunch, 26. Juli 2006

Im Juni 1967 bescherte Israel eine demütigende Niederlage für die Armeen Ägyptens, Syriens und Jordaniens in nur sechs Tagen und nahm die Golanhöhen von Syrien und die Sinai-Halbinsel von Ägypten ein, während sie auch den Gazastreifen und die West Bank besetzten. Aber die Unfähigkeit der israelischen Armee, die Hisbollah in achtzehn Jahren der Besatzung zu zerstören, und die Rückzugsbedingungen aus dem Libanon im Jahre 2000 schuf so etwas wie ein "Vietnam-Syndrom" in Israel. Im libanesischen Sumpf einmal mehr stecken zu bleiben, wird weder der Öffentlichkeit noch der Armee gefallen. Die israelische Armee scheint darauf vorbereitet zu sein, im Gaza einen langen Ermüdungskrieg gegen die überwiegend wehrlose Zivilbevölkerung zu führen, wollte aber unbedingt einen schnellen, entscheidenden Sieg im Libanon erzielen.

Bis jetzt haben es die Kämpfer der Hisbollah geschafft, den Eindringlingen schwere Verluste zuzufügen und haben damit gezeigt, dass die zionistischen Supermänner trotz ihrer enormen Vorteile in sowohl Zahlen als auch Waffen nicht unbesiegbar sind. Hunderte der primitiven Kurzstreckenraketen der Hisbollah landeten weiterhin im Norden Israels mit manchmal tödlichem Ausgang. Der nicht nachlassende Widerstand der paar tausend Hisbollah-Guerillas hat die arabische Welt elektrifiziert (einschließlich der Sunniten und säkulären Araber, sowie der Schiiten). Revolutionäre stehen militärisch auf Seiten von Hisbollah und Hamas gegen die zionistischen Unterdrücker; wir erkennen aber, dass das wachsende Prestige solch reaktionärer theokratischer Bewegungen ein ominöses Zeichen für Sozialisten, Frauen, Homosexuelle, Atheisten und all jene ist, die nicht durch die Einschränkungen der vorfeudalen islamishen Reaktion regiert werden wollen.

Libanon 1983: Vertreibung der Imperialisten

Das Herrenrassen-Ethos der israelischen herrschenden Klasse macht sie allergisch dagegen, ernste Verluste hinzunehmen und hat die Offensive der israelischen Armee erschwert. Eine ähnliche Haltung behindert ihre amerikanischen Alliierten und deren imperiale Verbündete, die alle übereinstimmen, dass eine Entsendung von fremden "Friedenstruppen" als Hilfe für die Israelis erwünscht ist, aber nicht gewillt sind, eigene Truppen bereitzustellen:

"Frankreich - das die Idee einer Truppe als verfrüht bezeichnete - und die Vereinigten Staaten sind durch ihre letzte Teilnahme an einer multinationalen Militärkraft im Libanon nach der israelischen Invasion 1982 verschreckt, als sie Kriegsführende im libanesischen Bürgerkrieg wurden und sich in einer tödlichen Auseinandersetzung mit der Hisbollah befanden.

Sie traten geschlagen den Rückzug an, aufgrund einer Selbstmordbombardierung der Hisbollah gegen eine Kaserne der Marines in Beirut im Oktober 1983, die 241 amerikanische Soldaten und 58 französische Fallschirmjäger tötete."

-- New York Times, 25. Juli 2006

Die Niederlage 1983, die die kolonialen Gendarmen aus dem Libanon vertrieb, wurde von allen echten Antiimperialisten begrüßt, trotz der Tatsache, dass sie von den islamischen Reaktionären erzielt wurde. Das Echo dieser Niederlage hallt bis heute innerhalb der regierenden Kreise des Imperialismus nach. In einem Artikel, "The Rumsfeld Doctrine", bemerkte Jacob Heilbrunn:

"Die Entscheidung der Bush-Administration, eine Präventivinvasion [2003 in den Irak] zu starten, bedeutete eine Generalablehnung der sogenannten Powell-Doktrin&Das war nicht akademische Haarspalterei, sondern eine fundamentale Kluft in der Republikanischen Partei. Colin Powells Credo bestand als direkter Nachkomme der Weinberger-Doktrin, 1984 verkündet von seinem Mentor, Verteidigungminister Caspar Weinberger, als Rechtfertigung des Rückzugs aus dem Libanon nach der Selbstmordbombardierung einer Kaserne der Marines - eine strategische Erniedrigung, die viele republikanische Falken als den Ursprung der gegenwärtigen Nöte Amerikas im Krieg gegen den Terror sehen&"

-- New York Times Book Review, 30. April 2006

Die einst imperiale Präsidentschaft des George Bush jr. hat eine unvergleichliche Serie von Desastern, sowohl zuhause als auch im Ausland, gesehen. Heute ist das viel gepriesene amerikanische Militär durch die Besetzungen des Irak und Afghanistan geschwächt. In beiden Ländern erwiesen sich die vorherigen Aussprüche über Siege als überoptimistisch, als sich die militärische Position der USA, ihrer Helfer und Vasallen langsam aber sicher verschlechterte.

Das einzige, was Bushs Unterstützung für den brutalen Angriff des israelischen Militärs auf den Libanon nicht zu einem weiteren wahnsinnigen politischen Kopfschmerz werden läßt, gerade wenn die November-Wahlen inmitten der Legislaturperiode nahen, ist die Tatsache, dass seine demokratischen "Konkurrenten" mindestens so bereit sind, die Verbrechen des Zionismus mit der Begründung, dass "Israel ein Recht hat, sich zu verteidigen", zu unterstützen.

Die US-Unterstützung der mörderischen zionistischen Ausschreitungen hat einen Preis, wenn nicht zuhause dann im Ausland, wo die israelische Aggression überwiegend als genau das gesehen wird, was sie ist. Besonders akute Besorgnis im Pentagon erzeugt die Möglichkeit, dass irakische Schiiten auf die zionistischen Angriffe auf ihre Glaubensbrüder mit einer erneuerten Welle von Attacken gegen die Besatzungskräfte der Achse USA/Britannien reagieren könnten. Die ramponierte imperialistische "Koalition" hat bereits genügend Mühe damit, die Widerstandskämpfer der sunnitischen Minderheit im Griff zu behalten; wenn die Schiiten der Mehrheit rebellieren würden, könnte eine bereits schwierige Situation zu einer unmöglichen werden.

Hände weg von Syrien und dem Iran!

Die Meister der Imagepflege im Weißen Haus deuten an, dass die Hisbollah wenig mehr als ein Stellvertreter für den Iran, und für dessen gegenwärtigem Verbündeten aus Bequemlichkeit, Syrien, ist. Aber tatsächlich ist das Verhältnis dem zwischen Israel und den USA. sehr ähnlich, wie Afshin Molavi beobachtete:

"Sie haben beide gemeinsame Interessen, die größere Macht stellt finanzielle und militärische Unterstützung bereit, und die beiden beraten eng über regionale Angelegenheiten. Sie liegen sich gelegentlich hinter geschlossenen Türen in den Haaren, aber der politischen Elite der größeren Macht widerstrebt es, die kleinere Macht öffentlich zu kritisieren."

-- www.salon.com, 20. Juli 2006

Die Hisbollah erhält zwar erhebliche Unterstützung vom Iran, - geschätzte $ 100 Millionen jährlich - der größte Teil der Finanzierung kommt jedoch aus der libanesischen Diaspora.

Der gegenwärtige Konflikt im Libanon könnte als Vorwand für Washington dienen, um gegen Syrien und den Iran vorzugehen, die es beide seit einigen Jahren bedroht hat. In den letzten Monaten hat die Bush-Administration eine fast hysterische Propagandakampagne begonnen, über die vermeintlichen "Gefahren" dadurch, dass der Iran irgendeine Art der Nuklearkapazität erwerben könnte. Revolutionäre verteidigen Syrien und den Iran militärisch gegen das imperialistische Tyrannisieren, geben aber gleichzeitig weder politische Unterstützung für die erbliche baathistische Diktatur in Damaskus noch für die theokratische regierende Kaste in Teheran. Militärische Verteidigung schließt aber die Akzeptanz ihres Rechtes ein, wirkungsvolle Mittel zur Selbstverteidigung zu besitzen, bis zu und einschließlich Kernwaffen.

Vorwärts zu einer Sozialistischen Föderation des Nahen Ostens!

Unter dem Kapitalismus haben die mächtigen bürgerlichen Staaten ein raubtierhaftes Verhältnis zu den schwächeren - was die Geschichte des Zionismus belegt. Eine Fortsetzung der blutigen religiösen, nationalen und ethnischen Konflikte, die die Geschichte des Nahen Ostens im vergangenen Jahrhundert stark geprägt haben, können jedoch nichts als Elend bieten. Nur durch eine Reihe erfolgreicher proletarischer Revolutionen, geführt von internationalistischen leninistischen Parteien auf der Grundlage des Programms der permanenten Revolution, können die kontroversen Ansprüche der verschiedenen Völker der Region auf gerechte und faire Weise gelöst werden.

Nur eine sozialistische Föderation des Nahen Ostens kann sicherstellen, dass die Ressourcen der Region, einschließlich der beträchtlichen Ölfelder, nicht länger dafür verwendet werden, die Superprofite für imperialistische Ölkorporationen und ihre lokalen Handlanger unter den zionistischen und arabischen regierenden Eliten anzutreiben. Um die Herrschaft der Arbeiter und Unterdrückten im Nahen Osten zu etablieren ist es notwendig, den israelischen Garnisonsstaat von innen zu zerstören - was nur durch eine revolutionäre Bewegung erzielt werden kann, die die unterdrückten Palästinenser verteidigt, und gleichzeitig erkennt, dass die jüdischen Arbeiter, wenn auch durch den rassistischen Zionismus vergiftet, doch gemeinsame Klasseninteressen mit den arabischen Arbeitern und den anderen unterdrückten Völkern der Region haben.

Die internationale Arbeiterbewegung hat eine wichtige Rolle darin zu spielen, beim Entwickeln eines revolutionären Klassenbewusstseins zu helfen, das für ein historisch progressives Ende der bitteren nationalen, ethnischen und religiösen Konflikte des Nahen Ostens notwendig ist. Sie kann es dadurch tun, dass sie aktiv gegen die imperialistische Besetzung Afghanistans und des Irak eintritt und den Iran und Syrien gegen imperialistische Angriffe verteidigt. Während Revolutionäre militärisch auf der Seite der Hamas und der Hisbollah in ihrem Widerstand gegen die mörderischen Angriffe der israelischen Armee in Gaza und im Libanon stehen, glorifizieren wir sie jedoch nicht, noch bieten wir irgendeine politische Unterstützung für ihr theokratisches Projekt.

Klassenbewusste Militante außerhalb des Nahen Ostens könnten ein mächtiges Beispiel geben, indem sie in ihren Gewerkschaften dafür kämpfen, dass israelische Ware nicht abgefertigt wird, solange die israelische Armee Tod und Zerstörung auf Gaza und den Libanon regnen läßt. Solch eine Initiative würde den unterdrückten Massen der Region, deren Zorn über die Brutalitäten der Imperialisten und ihrer Verbündeten lodert, ein qualitativ anderes Modell für wirkungsvollen Widerstand gegen die zionistische und imperialistische Unterdrückung aufzeigen als den Sackgassen-Obskurantismus, den die Islamisten durchzudrücken versuchen.

Unter dem grimmigen Chaos und dem bestialischen zionistischen Terrorismus gibt es einige Hoffnungsschimmer, dass die Massen der Region eine Straße vorwärts finden könnten und den Nahen Osten zu einem Platz machen könnten, in dem Perser, Kurden, Araber, Christen, Muslime, Juden und all die anderen ethnischen und religiösen Gruppen der Region eines Tages friedlich zusammen leben können. Am 16. Juli, so berichtet die New York Times, protestierten 2.000 Araber und Juden in Tel Aviv gemeinsam gegen die Angriffe Israels auf den Libanon. Das ist ein Beweis dafür, dass - selbst mitten in Israels blutigen expansionistischen Umtrieben - es dort mutige Einzelpersonen gibt, die bereit sind, gegen die brutale zionistische Kriegsmaschinerie zu opponieren.

In einem historischen Moment wie diesem können viele Menschen, selbst jene, die sich mit dem Marxismus identifizieren, über die Möglichkeit des revolutionären Durchbruchs verzweifeln. Es gibt jedoch keinen anderen Weg vorwärts für die Menschheit. 1916, als der organisierte Massenmord des ersten Weltkriegs schon "ein langweiliges monotones tägliches Geschäft geworden" war, wies die große deutsche Kommunistin Rosa Luxemburg auf die Notwendigkeit hin, dass Sozialisten sich daran erinnern, dass es nur durch den Sturz des globalen kapitalistischen Systems möglich sein wird, Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg zu beenden:

"Teuer erkauft die moderne Arbeiterklasse jede Erkenntnis ihres historischen Berufes. Der Golgathaweg ihrer Klassenbefreiung ist mit furchtbaren Opfern besät. Die Junikämpfer [von 1848], die Opfer der Kommune, die Märtyrer der russischen Revolution [von 1905] ein Reigen blutiger Schatten schier ohne Zahl. Jene waren aber auf dem Felde der Ehre gefallen, sie sind, wie Marx über die Kommune-Helden schrieb, auf "ewige Zeiten eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse". Jetzt fallen Millionen Proletarier aller Zungen auf dem Felde der Schmach, des Brudermordes, der Selbstzerfleischung mit dem Sklavengesang auf den Lippen. Auch das sollte uns nicht erspart bleiben. Wir gleichen wahrhaft den Juden, die Moses durch die Wüste führt. Aber wir sind nicht verloren, und wir werden siegen, wenn wir zu lernen nicht verlernt haben."

-- "Die Krise der Sozialdemokratie" (Junius-Broschüre)

Internationale Bolschewistische Tendenz

>30. Juli 2006