Internationale Bolschewistische Tendenz (IBT) — Verteidigt Nordkorea! Stürzt die Bürokratie — Für revolutionäre Wiedervereinigung! In: Bolschewik 20 (2011) Nr. 27., S. 3-4. — Version: 2011-10-06. — Geladen: 2017-09-20
URL: http:// bolshevik.org/deutsch/bolschewik/ibt_bol28_2011-02.html

Verteidigt Nordkorea! Stürzt die Bürokratie — Für revolutionäre Wiedervereinigung!

Am 23. November feuerte Artillerie aus der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK, umgangssprachlich Nordkorea) 130 Granaten auf Yeonpyeong, eine kleine Insel in umstrittenen Gewässern nahe der nordkoreanischen Küste, auf der sich ein südkoreanischer Militärstützpunkt befindet. Das Bombardement tötete vier Personen auf der Basis, zwei südkoreanische Marines und zwei Bauarbeiter. Von der südkoreanischen Regierung und ihren Hintermännern in der imperialistischen „internationalen Gemeinschaft“ ausgehende unheilvolle Drohungen und deren geheuchelte Entrüstung über die „unbegründeten“ Angriffe gegen Zivilisten waren mehr als vorhersehbar. Einige westliche Medien räumten jedoch ein, dass dem Beschuss eine Warnung an das südkoreanische Militär vorausgegangen war, seine Schießübung mit scharfer Munition in den von der DVRK beanspruchten Hoheitsgewässern auszusetzen:

Erstens ist Yeonpyeong nicht gerade eine „südkoreanische Insel“, sondern ein von südkoreanischen Streitkräften genutzter Militärstützpunkt. Etwa sieben Meilen vom Hoheitsgebiet des Nordens entfernt, liegt sie auf einer umstrittenen „nördlichen Grenzlinie“, die nach dem Korea-Krieg einseitig von US-geführten UN-Truppen gezogen wurde. Wie der Süden zugegeben hat, gingen der Warnung des Nordens und dessen späterem Angriff seine eigenen Artillerieübungen im Seegebiet rund um die Insel voraus. Mit anderen Worten wurde die Provokation provoziert. (Eig. Übers.)
— guardian.co.uk (Online-Ausgabe), 30 November 2010

Die hysterische und kriegslüsterne Reaktion auf Nordkoreas Antwort ist Teil eines Musters andauernder imperialistischer Versuche Pjöngjang einzuschüchtern und zu isolieren sowie Druck auf dessen chinesischen Schutzherrn auszu­üben. Wir sind nicht sonderlich an der Frage interessiert, wer zuerst geschossen hat, für Marxisten kommt es vor allem darauf an, die sozialen Errungenschaften, die von der Aufhebung des kapitalistischen Eigentums in Nordkorea (und China) repräsentiert werden, gegen alle Versuche ihrer Untergrabung oder ihres Sturzes aus dem Aus- oder Inland zu verteidigen. Wir verteidigen Nordkorea militärisch gegen den Imperialismus trotz des gegen die Arbeiterklasse gerichteten Charakters der bürokratischen stalinistischen Kaste mit Kim Jong-il an deren Spitze. Um das Tor für eine wirkliche sozialistische Entwicklung in Nordkorea und China aufzustoßen, ist es notwendig, eine proletarische politische Revolution zur Vertreibung der herrschenden Bürokratien durchzuführen, deren wiederholte Versuche sich mit dem Imperialismus zu versöhnen, das System des kollektivierten Eigentums bedrohen, an dessen Spitze sie selbst stehen.

Die jüngsten Schusswechsel um die Yeonpyeong Militärbasis ereigneten sich zu Beginn der Hoguk-Übung, einer jährlichen Provokation, bei der unter dem Motto „Schutz der Nation“, etwa 70.000 südkoreanische Truppen, unterstützt vom US-Militär, einen koordinierten Angriff auf Nordkorea üben. Diese Übung gehört zu einer Reihe militärischer Bekundungen für die Feindschaft der kapitalistischen Welt gegenüber der DVRK, eine Stimmung, die seit dem Korea-Krieg nicht verklungen ist, als eine chinesische Militärintervention die von den USA angeführte imperialistische Koalition unter der Flagge der Vereinten Nationen an der Wiederherstellung des Kapitalismus auf der gesamten koreanischen Halbinsel hinderte. Seit 60 Jahren steht Nordkorea unter andauerndem militärischen und wirtschaftlichen Druck des Weltimperialismus.

Die bedingungslose Verteidigung Nordkoreas gegen die kapitalistische Restauration, eine Entwicklung, die einen wichtigen Meilenstein für den Antrieb zur sozialen Konterrevolution in China darstellen würde, verlangt von Revolutionären, die vollständige und sofortige Entfernung aller US- Truppen und Militärstützpunkte aus Korea zu fordern. Sie beinhaltet auch die Verteidigung des Rechts der DVRK, eine wirksame nukleare Abschreckung gegen die sehr reale Gefahr eines imperialistischen Angriffs zu entwickeln. Am 28. November verlieh der republikanische Senator John McCain in einem Interview der CNN-Sendung „State of the Union“ bedrohlich der Stimmung eines bedeutenden Teils der amerikanischen Bourgeoisie Ausdruck, als er bezüglich Nordkorea erklärte, „es ist an der Zeit, dass wir über Regimewechsel sprechen“.

Trotz der rhetorischen Militanz der Pjöngjang-Bürokratie hat sie lange Zeit gefährliche Illusionen in die Möglichkeit einer „friedlichen“ Wiedervereinigung Koreas gefördert. Hinter solchem Gerede steht die Absicht, an nationalistische Elemente in Südkorea zu appellieren, die die fortdauernde amerikanische Militärpräsenz in ihrem Land übelnehmen. Viele südkoreanische Linke werden durch derartige nationalistische Stimmungen angezogen, aber das Ziel, eine gemeinsame Grundlage mit einem antiamerikanischen „patriotischen“ Flügel der kapitalistischen Klasse zu finden, kann die Entwicklung von Klassenbewusstsein nur verzögern.

Die wirtschaftliche Lage in der Demokratischen Volksrepublik Korea wird immer verzweifelter, da die Verschärfung des imperialistischen Embargos viele kritische Zufuhren für die Industrie blockiert und Missernten zu weit verbreiteter Unterernährung geführt haben. Die Konterrevolution in der Sowjetunion unter der Führung Boris Jelzins im Jahr 1991 entzog Nordkorea seine wichtigste Hilfsquelle und den mächtigsten strategischen Verbündeten. Heute hängt der Fortbestand der DVRK von der Unterstützung der verräterischen chinesischen Bürokratie ab, die in den letzten Jahren mehrfach für von den USA vorgeschlagene Sanktionen im UN-Sicherheitsrat gestimmt hat.

Die Verteidigung des nordkoreanischen deformierten Arbeiterstaates ist von entscheidender Bedeutung für die gesamte internationale Arbeiterbewegung. Denn wie Leo Trotzki, der große russische Revolutionär, bemerkte:

Es ist die Pflicht der Revolutionäre, jede Eroberung der Arbeiterklasse zu verteidigen, auch wenn sie durch den Druck feindlicher Kräfte entstellt sein mag. Wer alte Positionen nicht verteidigen kann, wird niemals neue einnehmen.
— Trotzki, Leo: Verteidigung des Marxismus. Verl. Neuer Kurs : Berlin, 1973. S. 276

In Korea muss eine internationalistische Arbeiterpartei geschaffen werden, die der revolutionären Wiedervereinigung der gesamten koreanischen Halbinsel verpflichtet ist. Darum muss für eine soziale Revolution im Süden zur Beseitigung des kapitalistischen Eigentums gekämpft werden und im Norden für eine politische Revolution, um den Klammergriff der Kim-Dynastie und der morschen Kaste, die sie führt, zu zerschmettern. Nur durch die Errichtung proletarischer Klassenherrschaft in ganz Korea, im Rahmen einer sozialistischen Föderation von Ostasien (einschließlich Chinas und Japans), können die Menschen der Region von der Bedrohung durch Hunger, Armut und Krieg befreit werden.