Internationale Bolschewistische Tendenz (IBT) — Klassenkrieg statt Heiligem Krieg: Islam, Imperium & Revolution. In: Bolschewik 12 (2003) Nr. 19., S. 32+20-31. — Version: 2011-10-06. — Geladen: 2017-03-29
URL: http:// bolshevik.org/deutsch/bolschewik/ibt_bol19_2003-04.html

Klassenkrieg statt Heiligem Krieg:

Islam, Imperium & Revolution

Iran 1979, Trotzkisten warnten: Weder Schah noch Ajatollah - Für Arbeitermacht!

Neuerdings ist der Islamismus auch (wieder) ein Thema in der deutschen Linken - wie u.a. die Resonanz auf das Buch "Djihad und Judenhass" von Matthias Küntzel zeigt.

Im folgenden drucken wir daher die Übersetzung eines Artikels über den politischen Islam ab. Das erste mal wurde er 1996 in der Ausgabe Nr. 17 von 1917, dem englischsprachigen Organ der Internationalen Bolschewisti-schen Tendenz (IBT), veröffentlicht. Er bietet eine umfassende Analyse des islamischen Fundamenta-lismus und dokumentiert darüber hinaus, dass die IBT in einer politischen Tradition steht, die im Unterschied zum Rest der Linken bereits beim ersten Durchbruch des Islamismus, 1979 im Iran, eine klare und unmissverständliche Position und Perspektive hatte: Die sogenannte Islamische Revolution war reaktionär - weder Schah noch Khomeini sondern Arbeitermacht!

Im BOLSCHEWIK Nr. 17 haben wir aufbauend auf dem Artikel aus 1917 diese Analyse in dem Text "Arbeiter-macht statt Gottesstaat: Allah, Afghanistan & Antiimperialismus" weiter aktualisiert und gegen die politische Annäherung sogenannter Antiimps an die Islamisten polemisiert. Schon vor Küntzel haben wir dabei auch eine ausführliche Kritik des Programms von Hamas veröffentlicht.

Im April 1991 war das sudanesische fundamentalistische Regime Gastgeber einer internationalen islamistischen Konferenz in Khartum. Unter dem Vorsitz von Hassan al-Turabi, Sudans klerikalem Herrscher, verabschiedeten Delegierte aus 55 Nationen, die Millionen Unterstützer repräsentierten, ein Sechs-Punkte-Manifest, das zur pan-islamischen Einheit und zur Annahme des islamischen Gesetzes, der Scharia, als Regierungsgrundlage in allen moslemischen Ländern aufrief. Die afghanischen Mudschaheddin (damals gerade dabei, das Regime der links-nationalistischen Demokratischen Volkspartei zu stürzen) wurden von Gulbuddin Hekmatyar vertreten, der berüchtigt ist, seit er 1970 unverschleierten Frauen an der Universität von Kabul Säure ins Gesicht goss. Algeriens Islamische Heilsfront (FIS), vertreten durch Abassi Madani, hatte gerade die Regierungspartei in den Kommunalwahlen geschlagen. Überall in der moslemischen Welt hatte der Islamismus Erfolg bei Studenten, jungen Intellektuellen und den unzufriedenen plebejischen Massen.

Seit 1991 haben die Anhänger des Islam jedoch einige Rückschläge erlitten. In Algerien suchen die "gemäßigten" Elemente in der FIS nach mehr Anpassung an die militärischen Herrscher, die die vergangenen vier Jahre versucht haben, die FIS zu zerschlagen. In Afghanistan kämpfen rivalisierende islamische Fraktionen um die Vorherrschaft, während das Land im Chaos versinkt. Sechzehn Jahre nach der Machtübernahme inspiriert Irans Islamische Republik eher Zynismus als Inbrunst. Doch hat der moslemische Fundamentalismus nach wie vor Massenanhang in großen Teilen des Nahen Ostens, und heute wird das Gespenst des militanten Islam von den Weltmächten selbst als Weltmacht angesehen.

Der islamische Fundamentalismus ist jedoch weit davon entfernt, eine geeinte Weltbewegung zu sein. Einige Gruppen suchen Anpassung an Regime, die bereit sind, sich mit dem Islam zu schmücken; andere stehen dem "inneren Ungläubigen" unversöhnlicher gegenüber. Verschiedene Gruppen wenden unterschiedliche Kombinationen aus parlamentarischen, terroristischen und Massenkampf-Taktiken an. Trotz gelegentlicher ökumenischer Erklärungen dauert die sektiererische Trennung zwischen Sunniten und Schiiten an. Der mächtigste islamische Staat, Iran, ist schiitisch und wird daher von 85 Prozent der Muslime, die sunnitisch sind, als ziemlich ketzerisch angesehen. Viele sunnitische Islamisten, einschließlich Turabi, der jetzt ein Verfechter der Ökumene ist, haben Irak im Krieg gegen den Iran im Jahre 1980 unterstützt.

Orthodoxe Muslime glauben, dass der Koran das Wort Gottes ist, dem Propheten Mohammed diktiert, welches nur in Verbindung mit der Hadith (die Reden und Taten des Propheten und der unterschiedlichen muslimischen Führer, den die jeweilige Sekte verehrt) interpretiert werden kann. Liberale Muslime verwenden modernistische Interpretationen und argumentieren, dass sich die islamische Lehre mit Demokratie, Sozialismus und Frauenrechten verträgt. Konservative Fundamentalisten stehen dem islamischen "Modernismus" feindlich gegenüber; im Unterschied zu den Radikalen predigen sie jedoch üblicherweise Gehorsam gegenüber politischen Autoritäten. In sunnitischen Ländern sind die Ulema (religiöse Gelehrte) bezahlte Angestellte des Staates und dürfen daher als den jeweiligen Herrschern gefällige Interpreten der politischen Botschaft des Islam angesehen werden.

Grundsätze des radikalen Islamismus

Radikale Islamisten lehnen sowohl den liberalen Modernismus als auch die konservative Zurückhaltung ab. Die Radikalen bezeichnen die meisten Staaten des Nahen Ostens als pseudo-islamisch. Sie definieren den Feind als schleichende Verweltlichung und Konsumorientierung, was sie sowohl mit der Ausdehnung des Marktes als auch dem Klassenkampf in Verbindung bringen. Ihrer Ansicht nach sind die pro-westlichen wirtschaftsliberalen Regime genauso schuld an der Förderung dieser Trends wie die baathistischen "sozialistischen" Regime in Syrien und Irak oder die Nationale Befreiungsfront (FLN) in Algerien. Die Islamisten predigen einen inneren Dschihad zur Etablierung islamischer Regime als Vorbedingung für einen erfolgreichen äußeren Dschihad.

Während die Modernisten argumentieren, der Islam sei im Wesen demokratisch wegen der Einrichtung der Schura (Konsultation), behaupten die Radikalen, dass die Schura nur die Konsultation mit religiösen Gelehrten für die passende Interpretation der Scharia ist. In "Die islamische Regierung" schrieb Irans Ajatollah Ruhollah Khomeini:

"Die islamische Regierung ist nicht despotisch sondern konstitutionell. Sie ist jedoch nicht konstitutionell im bekannten Sinne des Wortes, der im parlamentarischen System oder in den Räten des Volkes verkörpert ist … Der Unterschied zwischen der islamischen Regierung und den konstitutionellen Regierungen, sowohl monarchisch als auch republikanisch, liegt in der Tatsache, dass die Vertreter des Volks oder Königs jene sind, die Recht sprechen und Gesetze geben, wohingegen die Macht der Gesetzgebung auf Gott beschränkt ist, möge Er gelobt sein, und niemand außer ihm das Recht hat, Gesetze zu geben …"

Islamische Militante kombinieren die Denunzierungen des westlichen Imperialismus und des auffälligen Konsums der Reichen mit der Verehrung für den Privatbesitz und die "islamische Wirtschaftslehre". Sie stehen generell allen Formen der sozialistischen und Pro-Arbeiterklassen-Ideologie feindlich gegenüber. Khomeini zerschlug die iranische Linke bald nachdem sie ihm bei seinem Aufstieg zur Macht geholfen hatte und Turabis Regime dezimierte die sudanesische Kommunistische Partei, einstmals eine der größten in Afrika. Sayyid Qutb, der vorrangige Ideologe des sunnitischen Fundamen-talismus, denunzierte oft die "Plutokratie" und den westlichen Kapitalismus, wandte sich jedoch gegen die bloße Idee der gesellschaftlichen Gleichheit:

"Mohammed hätte sicher ein soziales Banner hochhalten und Krieg gegen die Privilegierten und die Hochgeborenen führen können. Er hätte den Islam als Bewegung aufbauen können, die nach gesellschaftlicher Veränderung und Umverteilung der Güter von Reich zu Arm strebte … Doch Allah, in seiner ewigen Weisheit, hat den Prophet nicht angewiesen, diesen Weg einzuschlagen … Er ließ ihn nur einen Schlachtruf ausstoßen: 'Es gibt keinen Gott außer Allah!'" (zitiert nach Emanuel Sivan, Radical Islam: Medieval Theology and Modern Politics)

Radikale Islamisten zeichnen sich auch durch ihren entschiedenen Einsatz für die Unterordnung von Frauen aus. Qutb bezeichnete die Idee der Frauenbefreiung als "Kloake". Der kleinste soziale Spielraum für die Freiheit der Frauen von der männlichen Autorität wird als Jahiliyya (Barbarei) geschmäht. Von Algerien bis Bangladesh haben Islamisten Frauen angegriffen, die sich dem reaktionären sozialen Kodex der Mullahs verweigerten.

Modernistische Interpretationen des Islam spielen Texte wie den folgenden Vers der vierten Sure des Koran herunter:

"Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!" (Der Koran in der Übersetzung von Rasul)

Im Gegensatz zu den Modernisten betonen islamische Radikale ungeniert die Unvereinbarkeit von Islam und Gleichstellung der Frauen. Eines der ersten vom iranischen Parlament erlassenen Gesetze nach der Absetzung des Schahs Resa Pahlevi war das islamische Kleidungsgesetz, das jeder Frau, die den Hijab (eine traditionelle Kopfbedeckung der unverheirateten muslimischen Frauen) nicht trägt, eine einjährige Gefängnisstrafe auferlegt. Hinrichtungen für Ehebruch und Homosexualität sind üblich unter der Scharia.

Radikale Islamisten sind zudem stark antisemitisch und generell intolerant gegenüber anderen Religionen. Das iranische Regime initiierte Kampagnen, um die winzigen Bahai und zoroastrischen Minderheiten zu zerstören. Die ägyptischen Fundamentalisten organisierten die Ausschreitungen gegen die christlichen Kopten, die sie "Kreuzzügler" nennen. Als Turabis sudanesisches Regime 1989 die Macht durch einen Militärcoup übernahm, war eine der ersten Taten die Deklaration eines Dschihad gegen die schwarze Bevölkerung im Süden, die hauptsächlich Christen oder Animisten sind. Gemäß dem Middle East Report (November-Dezember 1992):

"Viele interpretieren dies [die Erklärung des Dschihad] so, dass Land, Vieh und Frauen in eroberten Gebieten von den Eroberern beansprucht werden können. Eine einflussreiche weibliche Führerin der islamischen Bewegung schlug vor, dass eine Lösung des 'südlichen Problems' sein könne, dass muslimische Männer nicht-muslimische Dinka-Frauen als Zweitfrauen oder Konkubinen nehmen und dabei davon ausgehen, dass deren Kinder zu Muslimen erzogen würden."

Die gesellschaftlichen Wurzeln des radikalen Islamismus

Das Phänomen des radikalen Islamismus hat viele westliche Analytiker verwirrt. Den Islamisten selbst ist alles ziemlich klar: Ihre Bewegung ist einfach eine Reaktion von frommen Gläubigen auf zeitgenössische Ungerechtigkeit. Ihre Erfolge können göttlicher Intervention und ihr Versagen satanischer Einmischung zugeschrieben werden. Für Liberale und modernisierende Nationalisten ist der Aufstieg des Islamismus problematischer. Eine Bewegung, für die die Verehrung irrationaler Autorität und unermüdliche Feindseligkeit gegenüber dem Zwanzigsten Jahrhundert charakteristisch ist, scheint ihre Gefolgschaft von Jahr zu Jahr nicht nur unter den rückständigen und ungebildeten Massen und traditionell Ausgebeuteten zu vergrößern sondern auch unter der wissenschaftlich geschulten Intelligenz - also genau der sozialen Gruppe, auf die die Modernisierer blicken. Westliche Orientalisten sprechen über die für die Region eigentümliche Irrationalität und murmeln weise über die Unmöglichkeit, eine tausendjährige Tradition auszurotten. Aber das erklärt gar nichts.

Das Kleinbürgertum in der arabischen Welt, ob traditionalistisch oder modernistisch, hat Probleme, die es dazu treiben, irrationale Lösungen zu suchen. Ausgepresst durch fremdes Kapital, ausgetrocknet durch parasitäre und korrupte neo-koloniale Staatsbürokratien, tief besorgt über die Aussicht auf Arbeitskämpfe ist das Kleinbürgertum höchst empfänglich für die reaktionäre Nostalgie, die ihr die islamischen Fundamentalisten anbieten. Die Islamisten prangern alle Schreckensbilder des Kleinbürgertums an - fremde Konkurrenz, "Kulturimperia-lismus", Arbeiteraufstände und Etatismus. Ihre Opposition zum Klassenkampf, ihr Aufruf an die Reichen zu Wohltaten und ihr Aufruf an die Armen zur Geduld drücken den gesellschaftlichen Standpunkt der Mittelschicht aus.

In vielen Fällen haben die militanten Islamisten erhebliche finanzielle Unterstützung von traditionellen Eliten erhalten, besonders von jenen, die durch das Wachstum des säkularen Staates und/oder durch fremdes Kapital bedroht waren. Die Interpretation der Scharia durch Radikale ist üblicherweise flexibel genug, um Islamisten zu gestatten, bei Bedarf weltlichere Motive anzusprechen. Die afghanischen Mudschaheddin ignorierten die Koran-Verbote gegen Wucher in ihrem Dschihad, um die Vorrechte der Geldverleiher und der Grundbesitzer zu schützen.

Islamische Bewegungen sind oft von Machthabern als Bollwerk gegen die Linke gefördert worden. Selbst wenn sie deren Missbilligung ernten finden es die staatlichen Autoritäten viel schwieriger, gegen religiöse Dissidenten vorzugehen als gegen säkulare Radikale. Die Vertrautheit islamischer Ideen und Rituale haben es den Fundamentalisten erleichtert, unter den Teilen der Bevölkerung zu wachsen, die gegenüber neuen Ideen traditionell resistent sind. In Gesellschaften ohne soziales Wohlfahrtssystem sind die neuen armen Stadtbevölkerungen zum Überleben oft auf die durch Moscheen organisierte Wohltätigkeit angewiesen. Das ermöglicht den Islamisten, eine große Anzahl lumpenproletarischer oder halbproletarischer Elemente in den Städten zu mobilisieren.

Der militante islamische Fundamentalismus ist eine relativ neue Erscheinung. Als Saudi Arabiens König Feisal 1962 die World Muslim League als Opposition zum Marxismus und zum radikalen arabischen Nationalismus gründete, interessierte das kaum jemanden. Statt in die Arme des Obskurantismus zu eilen, traten junge Leute in großer Zahl der sozialistischen und nationalistischen Linken bei. In den 60er Jahren schwankte die ägyptische Muslim-Brüderschaft, damals die größte islamische Organisation, zwischen Unterstützung für und Opposition gegen Gamal Abdel Nasser, dem wichtigsten Apostel der "arabischen Revolution". Qutb, Ägyptens herausragender radikaler Fundamentalist, wurde zu dieser Zeit als Mitglied einer verrückten Randgruppe angesehen. Dies änderte sich alles 1967 mit der Niederlage Ägyptens und seiner Verbündeten im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel, als Nasser durch den zionistischen Staat gedemütigt wurde. Plötzlich begannen radikale islamische Gruppen, die vorher nicht mehr als winzige Minderheiten gewesen waren, bei den Massen Gehör zu finden.

Der arabische Nationalismus hatte den Mittelstand mit den Versprechen von Unabhängigkeit, Blockfreiheit und Demokratie einmal begeistert. Doch die "anti-imperialistischen" Regime von gestern sind heute die unterwürfigen Diener des IWF und der westlichen Investmentbankiers. Die "arabischen sozialistischen" Republiken werden als aufgeblähte und korrupte Polizeistaaten geschmäht. Die stalinistischen Parteien, die einmal Führungsrollen in wichtigen Teilen der Arbeiterbewegung in der Region gespielt hatten, sind durch ihre jahrzehntelange opportunistische Anpassung an eine ganze Reihe "fortschrittlicher" bürgerlicher Figuren (sowohl säkular als auch religiös) extrem diskreditiert. Der Zusammenbruch des "real existierenden Sozialismus" im ehemaligen Sowjetischen Block wird von den Volksmassen, und großen Teilen der Linken, als Beweis dafür gesehen, dass das sozialistische Projekt keine Alternative ist.

Die muslimischen Extremisten haben den Nutzen aus dem Zerfall ihrer säkularen Konkurrenten gezogen. Dennoch existiert ein enormes Wachstumspotential für eine revolutionäre Strömung innerhalb des Proletariats. Eine kämpferische Arbeiterbewegung würde einen Anziehungspol sowohl für die subproletarischen städtischen Massen als auch das unzufriedene Kleinbürgertum darstellen. Ohne einen solchen Pol ist es nicht überraschend, dass die Zwischenschichten anfällig für irrationale Antworten auf die Verwerfungen und Zerstörungen durch die imperialistische Weltordnung sind.

Irans islamische Revolution: Selbstmord der Linken

Seit dem Sturz des Schahs haben viele westliche Experten behauptet, dass der schiitische Glaube naturgegeben politischer sei als Sunnismus. Aber in den 50er Jahren waren die iranischen Mullahs alles andere als militant. Vor seinem Tod im Jahre 1961 predigte Ajatollah Borujerdi, Khomeinis Mentor und Irans führender Kleriker, die passive Akzeptanz weltlicher Autorität. Die schiitische Ulema (Gelehrte) hatten die links-nationalistische Mossadegh-Regierung vorsichtig unterstützt, die durch einen vom CIA arrangierten, königstreuen Putsch 1953 gestürzt wurde. Nach der Wiedereinsetzung des Schahs wollten selbst die kühneren Kleriker, wie Khomeini, nicht mehr als eine Rückkehr zur Verfassung von 1906, die der Ulema eine beratende Funktion innerhalb einer konstitutionellen Monarchie gab.

Um seine Macht zu festigen, holte sich der Schah Hilfe von der CIA und dem israelischen Nachrichtendienst, um den SAVAK, Irans mächtige politische Polizei, zu errichten. In den frühen 60er Jahren führte das Regime eine Modernisierungsaktion durch (die sogenannte "Weiße Revolution"), die eine begrenzte Bodenreform, Gewinnbeteiligung für industrielle Arbeiter, das Wahlrecht für Frauen und den gemeinsamen Schulbesuch für beide Geschlechter einschloss. Das Modernisierungsprogramm hatte den Zweck, breite Unterstützung für das Regime zu gewinnen und gleichzeitig die säkularen Gegner in der Linken zu untergraben. Damit brachte die Regierung die Großgrundbesitzer, die traditionelle Bourgeoisie, das Kleinbürgertum der Basare und die Ulema gegen sich auf.

Khomeini, gerade dabei als Hauptgegner des Schahs hervorzutreten, prangerte die "Revolution" des Regimes an und sprach sich für eine vollständige Theokratie unter der Herrschaft eines "Rechtsgelehrten" aus. Er brandmarkte die Käuflichkeit, die Korruption, die Vergehen gegen die islamische Moral des Regimes und die Verbindungen zu den Amerikanern und Israelis. Als Khomeini am 5. Juni 1963 verhaftet wurde, ging eine Welle der Massenproteste durch den Iran, die vom SAVAK und der Armee erbarmungslos unterdrückt wurden. Schätzungsweise 10.000 Demonstranten wurden getötet.

Khomeini wurde 1964 verbannt. Während der nächsten fünfzehn Jahre beherrschten er und die radikale Ulema die populäre Opposition gegen den Schah. Das war eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn man die historische Stärke linker Ideen und Organisationen innerhalb der mächtigen iranischen Arbeiterklasse in Betracht zieht. Sie wurde erleichtert durch die wiederholten Versuche der iranischen stalinistischen Tudeh Partei, mit dem Regime zu manövrieren, während Khomeini unnachgiebig zum Sturz aufrief. In seinem Buch Islamic Fundamentalism beschreibt Dilip Hiro, wie sich der Imam als maßgeblicher Führer der Bewegung gegen den Schah etablierte:

"Khomeini hielt das Bündnis in einer höchst turbulenten Zeit zusammen, indem er sich zum Vorkämpfer der Sache jeder der Gruppen in der Anti-Schah-Koalition machte und zu solch strittigen Themen wie Demokratie, Agrarreform und Status der Frauen schwieg. Er weckte Hoffnungen auf Erlösung und Verbesserungen in verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Die traditionelle Mittelklasse sah in Khomeini einen Verfechter des Privatbesitzes, einen Unterstützer der Basare und einen, der an islamische Werte glaubt. Die moderne Mittelklasse betrachtete Khomeini als einen radikalen Nationalisten, der mit dem zuvor von Mossadegh angenommenen Programm verheiratet war: Ende der kaiserlichen Diktatur und der fremden Einflüsse im Iran. Die Arbeiterklasse in den Städten unterstützte Khomeini wegen seines wiederholten Bekenntnisses zu sozialer Gerechtigkeit, die, so fühlte man, nur durch die Übertragung von Macht und Reichtum von den Reichen auf die Bedürftigen zu erreichen war. Schließlich sah die arme Landbevölkerung den Ajatollah als Retter, als denjenigen, der sie mit bestellbarem Boden, Bewäs-serungsanlagen, Straßen, Schulen und Elektrizität versorgen würde."

Khomeini war nicht der einzige, der ein taktvolles Schweigen zu Themen wie Demokratie, Agrarreform und Rechte der Frauen (ganz zu schweigen von Sozialismus und Arbeiterregierung) bewahrte. - Auch die iranische Linke ließ diese Themen zu Gunsten der Solidarisierung mit den Anprangerungen der religiösen Opposition gegen den Schah und seine Unterstützer aus den USA unter den Tisch fallen. Dabei waren es die Land-Neuverteilung und das Wahlrecht für Frauen, die Khomeini überhaupt erst in die unversöhnliche Opposition getrieben hatten.

Dieser groteske Opportunismus hatte tragische Folgen für die iranische Arbeiterbewegung. Im September 1978, nachdem das Regime das Kriegsrecht verhängt hatte, marschierten hunderttausende von Demonstranten durch Teheran. Dabei riefen sie in Sprechchören "Nieder mit dem Schah!" und forderten eine islamische Republik. Die Regierung antwortete, wie sie es bereits 1963 getan hatte, mit scharfer Munition und Hunderte wurden getötet. Doch diesmal, anstatt die Proteste zu bändigen, brachte das Gemetzel Millionen bis dahin inaktiver Bürger in Rage, die plötzlich auf die Straßen strömten.

Die wirtschaftlich strategischen Ölarbeiter (unter denen die moskautreuen Stalinisten der Tudeh Partei beträchtlichen Einfluss hatten) begannen einen Streik, an dem bald Arbeiter anderer Industriezweige teilnahmen. Nach ein paar Monaten der fortgesetzten Arbeiterunruhen und Massendemonstrationen kippte der Pfauenthron. In der entscheidenden Konfrontation mit den kaiserlichen Garden im Februar 1979 stellten die neulinke/stalinistische Fedajin und links-muslimische Mudschaheddin-Guerillas die militärische Führung.

Die iranische Linke hatte sich jedoch durch ihre wissentliche politische Unterordnung unter Khomeini, den angeblichen Vertreter des "fortschrittlichen, anti-imperialistischen" Kleinbürgertums, selbst marginalisiert. Die Ölarbeiter, linken Studenten, Frauen, nationalen und religiösen Minderheiten, die auf den Demonstrationen "Nieder mit dem Schah" riefen, hatten nicht den Wunsch, die verhasste Monarchie durch eine Theokratie zu ersetzen. Doch keine der linken Gruppen war bereit, sich durch direkte Kritik an den Mullahs von der Massenbewegung zu "isolieren". Eine wirklich revolutionäre Organisation hätte versucht, den Kampf der Arbeiter gegen das Regime vorwärts zu treiben und gleichzeitig die Perspektive einer revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung politisch gegen den Ruf der Khomeini-Anhänger nach einer islamischen Republik zu setzen.

Für die iranische Linke war Khomeini die Verkörperung einer "ersten Etappe" in einem angeblich unerbittlichen revolutionären Prozess, und sie verschloss die Augen vor dem fundamental reaktionären Charakter seiner islamischen Revolution. Die Mullahs hatten keine entsprechenden Illusionen. Sie organisierten sofort "Revolutionäre Wachen" und griffen Linke, unverschleierte Frauen, Homosexuelle, Gewerkschafter und andere "Feinde des Islam" an. Im März 1979 wurde eine Massendemonstra-tion von Frauen gegen die Einführung des islamischen Rechts vom regierungsunterstützten Pöbel angegriffen und danach von "revolutionären" Truppen beschossen. Als sich Khomeinis Regime konsolidierte, wurden die völlig desorientierten linken Organisationen isoliert und eine nach der anderen zerschlagen. Einige versuchten sich schließlich zu widersetzen, während andere weiterhin ihrem Henker die Vasallentreue erklärten, den ganzen Weg bis hin zum Galgen.

Man würde von erklärten Marxisten eine Haltung totaler und unversöhnlicher Feindschaft gegen religiöse Theokra-ten (ob christlich, jüdisch, hinduistisch, islamisch oder was auch immer) erwarten. Doch verschiedene westliche Linke, selbst keine Gläubigen, gaben vor, in islamistischen Bewegungen einen fortschrittlichen oder teilweise progressiven Charakter zu entdecken. Dies ist Produkt einer völlig unpassenden Dritte-Welt-Romantik, die im Grunde auf einen schlichten Liberalismus hinausläuft. Viele Sozialisten, die sich der Gefahren des christlichen Fundamentalismus in den USA bewusst sind, versuchen die radikalen islamischen Bewegungen als egalitär und anti-imperialistisch zu beschönigen. Als die iranische Linke den tödlichen Fehler machte, sich vor Khomeini zu verbeugen, wurde sie von allen größeren internationalen sozialistischen Strömungen kopiert, sowohl von den stalinistischen als auch vorgeblich trotzkistischen - mit der einzigen Ausnahme der damals noch revolutionären internationalen Spartacist Tendenz (iST), die sich weigerte, den Triumph der islamischen Reaktion über den Schah zu bejubeln.

Afghanistan: State Department Dschihad

Während Irans Islamisten lautstark ihre Feindschaft gegen den amerikanischen Imperialismus kundtaten, schlossen sich ihre afghanischen Brüder mit dem "Großen Satan" in einem US-gesponserten Dschihad gegen das prosowjetische säkulare Regime ihres Landes zusammen. Im April 1978 übernahm die Demokratische Volkspartei (PDPA) in einem defensiven Putsch die Macht und versprach radikale Reformen und Modernisierung.

Sie erließ Gesetze für die Neuverteilung des Bodens an jene, die es bestellen und erließ alte Schulden; eine äußerst wichtige Reform in einem Land, in dem Zinsknechtschaft und Wucher die hervorstechendsten Formen der Ausbeutung waren. Der Widerstand der Ausbeuter gegen diese Maßnahmen nahm schnell islamische Farben an. Wie Hiro schreibt:

"Erlass 6 schaffte alle Hypotheken und Schulden aus der Zeit vor 1973 ab und reduzierte die drastischen Zinsen (oft 100 Prozent pro Jahr) bei späteren Krediten … Fast immer entschieden die dörflichen Mullahs, durch Blutsbande mit den Grundbesitzer-Geldverleihern verbunden, dass die Aufhebung der Schulden dem Diebstahl gleich kam und daher unislamisch sei. (Auf der anderen Seite führte die Pro-Regierungs-Minderheit unter den Klerikern Koran-Verse gegen Riba, den Wucher, an). Viele ländliche Mullahs fingen an, gegen die Regierung zu predigen, in einer Umgebung, in der bewaffneter Widerstand gegen das Regime die Form von Morden an marxistischen Lehrern und Verwaltungs-angestellten annahm."

Die Mullahs waren ebenso entsetzt über Erlass 7, der Frauen gleiche gesetzliche Rechte einräumte, Kinderheirat abschaffte und den Brautpreis auf einen nominalen Betrag reduzierte. Während die PDPA jene Mullahs, die sich mit Vorwürfen zurückhielten, weiter auf der Gehaltsliste des Staates behielt, stellte der Klerus einen Großteil der Führung für den von den USA finanzierten und ausgerüsteten konterrevolutionären Aufstand. Die Opposition bestand aus traditionalistischen Fundamentalisten, die sich den pakistanischen und saudi-arabischen Regierungen anschlossen, aber die größte Gruppe war Hekmatyars Hizb-e-Islami (Partei des Islams), die eine islamische Republik nach iranischem Vorbild errichten wollte.

Die sowjetische Intervention 1979 schuf die Möglichkeit bedeutenden sozialen Fortschritts in Afghanistan durch die Ausdehnung sowjetischer Gesellschaftsverhältnisse. Doch diese Möglichkeit wurde nie verwirklicht. Von Anfang an übte der Kreml Druck auf seinen Klienten in Kabul aus, Konzessionen gegenüber den traditionalistischen Reaktionären zu machen. Die PDPA baute Moscheen, verbreitete den Islam über das staatliche Fernsehen und verwässerte die eigenen Reformen. Als Michail Gorbatschow 1989 die sowjetischen Truppen abzog, nahm die afghanische Regierung den Islam als Staatsreligion an. Nichts davon beschwichtigte die islamischen Reaktionäre oder ihre imperialistischen Hintermänner.

Nichtsdestoweniger überlebten die afghanischen Sta-linisten ihre sowjetischen Schutzherren und wurden endgültig erst im April 1992 gestürzt. Sie konnten sich angesichts der überwältigenden Gegenmacht hauptsächlich deshalb so lange halten, weil die städtische Bevölkerung, einschließlich des größten Teils der Arbeiterklasse, entschlossen war, der islamischen Herrschaft zu widerstehen und das unvermeidliche Blutbad zu vermeiden, das der Machtergreifung der Mudschaheddin folgen würde. Schon vor dem Sturz der PDPA und der Zerstörung ihrer sozialen Reformen zerstritten sich die afghanischen "Freiheitskämpfer" untereinander. Die westlichen Medien, die diese Reaktionäre und ihren Widerstand gegen den "sowjetischen Imperialismus" ein Jahrzehnt lang feierten, haben schon lange das Interesse an Afghanistan verloren, das weiterhin von schmutzigen Fraktionsfehden der verschiedenen islamischen Milizen zerrissen wird.

Algerien: IWF Enthaltsamkeit & Religiöse Reaktion

Während der vergangenen vier Jahre erfasste Algerien ein brutaler Konflikt zwischen dem bonapartistischen Militärregime, unterstützt vom französischen Imperia-lismus, auf der einen Seite und einer mächtigen islamischen Bewegung auf der anderen. Zehntausende wurden in einem Konflikt getötet, dessen Ursprung in die frühen 80er Jahre zurückgeht, als die fallenden Ölpreise Algerien mit gewaltigen Schulden belasteten. Die Regierung der Nationalen Befreiungsfront (FLN), geführt von Präsident Schadli Bendjedid reagierte mit Sparmaßnahmen, Privatisierung und der Zerstörung von Algeriens umfassendem System staatlicher Subventionen für Verbrauchsgüter. Um der daraus resultierenden Unbeliebtheit seines Regimes entgegenzutreten, wandte sich Bendjedid der "Islamisierung" zu. 1984 verkündete die FLN ein Familiengesetz, das die Scharia im algerischen bürgerlichen Gesetz verankerte, die Polygamie legalisierte und den Männern die gesetzliche Autorität über ihre Ehefrauen und unverheirateten Töchter gab. Gegen diese Änderungen gab es erheblichen Widerstand von Frauenorganisationen und Linken. Die FLN konterte dadurch, dass sie sich an die Ulema (d.h. die islamischen Gelehrten) wandte und diese ermutigte, unzufriedene Jugendliche gegen die Gegner der Gesetze Gottes zu organisieren. Bald schweiften Banden junger fundamentalistischer Verbrecher umher, um Versammlungen der Linken und der Feministinnen abzubrechen und Algeriens französisch- und berbersprachige Minderheiten zu terrorisieren, während die Polizei geflissentlich wegsah.

Nach einiger Zeit führte die wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von Frankreich und dem Internationalen Währungsfond dazu, dass große Teile der Bevölkerung das Regime als Handlanger des fremden Imperialismus betrachteten. Im Oktober 1988 machten Hunderttausende von Jugendlichen Aufruhr und forderten Demokratie und Gleichheit, die doch Teile der "sozialistischen" Rhetorik der FLN waren. Das Regime antwortete mit einer Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche. 1989 wurde eine neue pseudo-demokratische Verfassung beschlossen. Politische Parteien wurden erlaubt. Das öffnete Möglichkeiten für die Linke, erlaubte aber auch den Islamisten, sich unter dem Banner der ultra-reaktionären Islamischen Heilsfront (FIS) zusammenzuschließen, die als stärkste Oppositionsgruppe hervortrat.

Von Anfang an stand die FIS, die sowohl die Demokratie als auch den Sozialismus als "jüdisch-freimaurerische Verschwörung" ansieht, der Arbeiterbewegung extrem feindlich gegenüber. 1991, als die UGTA-Arbeiterföderation (mit einer Basis bei Öl-, Chemie- und Hafenarbeitern sowie anderen gelernten Arbeitern) zum Generalstreik aufrief und forderte, die Preise einzufrieren, griffen FIS-organisierte Banden die Gewerkschafter an.

Ende 1991 schien die FIS kurz vor einem Wahlsieg bei der Mehrparteien-Parlamentswahl zu stehen, der ersten, die nach der Kolonialzeit in Algerien stattfand. Um das zu verhindern, machte das Militär, seit Jahrzehnten die wirkliche Macht im Land, im Januar 1992 einen Präventivputsch. Die Generäle zwangen Algeriens langjährigen Präsidenten und FLN-Führer Bendjedid zurückzutreten, hoben die Verfassung auf und erklärten den Notstand. Tausende von FIS-Sympathisanten wurden in Wüstenlager geschickt. Die Todesstrafe wurde wieder eingeführt und Folter, als Mittel um Geständnisse zu erzwingen (Amnesty International Jahresbericht 1993). Außerdem wurden tausende von Fundamentalisten ohne Gerichtsverfahren hingerichtet.

Nach dem Putsch spaltete sich die FIS: Die "Gemäßigten" suchten nach irgendeinem imperialistisch unterstützten Deal, der ihnen einen Teil der Macht geben und der Bevölkerung die Scharia auferlegen würde. Die unversöhnlicheren Islamisten gingen in den rivalisierenden Gruppen der Bewaffneten Islamischen Bewegung (MIA) und der Bewaffneten Islamischen Gruppe (GIA) auf. Zusätzlich zum Terror der staatlichen Behörden starteten diese Gruppen großangelegte Terrorkampagnen gegen säkulare Intellektuelle, Feministinnen, Linke, Berber, westliche Touristen und gegeneinander.

Die Überreste der abgesetzten FLN versuchten sich als Vermittler für eine Regierung der "nationalen Aussöhnung", die die FIS einschließen sollte. Diese Herangehensweise wurde vom US-Imperialismus favorisiert, während Frankreich zum Militärregime, als Lohn für dessen treue Dienste beim Schutz französischer Kapitalanlagen, stand. Das Militär wurde auch von jenen Teilen der Bevölkerung unterstützt, die von einer Machtübernahme der Islamisten am meisten zu fürchten hatten. In der Anfangszeit des Konfliktes protestierten Hundertausende bei den von der UGTA initiierten Demonstrationen zur Unterstützung der Generäle gegen den islamischen Terrorismus.

Es war schon lange klar, dass das Militär, das auf der gemeinsamen Grundlage des Antikommunismus den Islamisten bereits verschiedene Angebote gemacht hatte, jederzeit einen Deal mit den "gemäßigten Kräften" der FIS arrangieren und die Gewehre gegen die Arbeiterbewegung richten könnte. Nach den Wahlen im November 1995, an denen angeblich drei Viertel der Wahlberechtigten teilnahmen (trotz der Drohungen durch die islamischen Terroristen und einem Boykott der bürgerlichen "Berberrechtsorganisation" Front der Sozialis-tischen Kräfte, der FLN und der FIS), erklärten sich Vertreter der FIS bereit, mit dem Militär über eine "umfassende Lösung" zu verhandeln.

Vorbedingung für einen erfolgreichen, auf die Arbeiterklasse gestützten Kampf in Algerien ist die Etablierung der vollständigen Unabhängigkeit der Arbeiterbewegung vom bürgerlichen Staat und von den bürgerlichen Parteien. Dies ist eine sehr reale Frage in einem Land, in dem die Gewerkschaftsführung jahrzehntelang als Partner des FLN-Regimes funktionierte. Die organisierte Arbeiterbewegung kann den Einfluss der Islamisten auf Teile der städtischen plebejischen Massen brechen, indem sie den Hebel der bestehenden Gewerkschaften nutzt, um die Kämpfe der Armen, der Arbeitslosen, der ungelernten und angelernten Arbeiter in den Städten und des ländlichen Halb-Proletariats zu unterstützen.

Ein revolutionäres Programm für Algerien muss demokratische Forderungen nach Trennung von Staat und Moschee und für die Verteidigung der Frauen, Berber, Homosexuellen, religiösen Minderheiten und aller anderen Opfer und möglicher Opfer der islamischen Reaktionäre einschließen. Die Antwort auf terroristische Angriffe durch Fundamentalisten auf die algerische Linke und Arbeiterbewegung muss die Organisierung wirkungsvoller Einheitsfront-Verteidigung sein, unabhängig vom repressiven Staat. Im Unterschied zur hohlen Anprangerung der "westlichen Ungläubigen" durch FIS-Führer Madani würde eine revolutionäre Partei für die Aufhebung der imperialistischen Schulden eintreten und die Enteignung fremden Kapitals mit dem Kampf für den Sturz der algerischen Bourgeoisie verbinden.

Anti-muslimische Hysterie und imperialistische Heuchelei

Seit Khomeinis unerwarteter Triumph über den Schah eine der strategischen Schlüsselpositionen des amerikanischen Imperialismus zerstörte, haben die westlichen Medien fleißig anti-muslimische Propaganda verbreitet. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR hat Hollywood die Russen durch neue Favoriten für die Rolle des Bösen ersetzt: arabische Terroristen. Pro-imperialistische Liberale haben Vorfälle wie die Morddrohung der iranischen Mullahs gegen Salman Rushdie benutzt, um den Unterschied zwischen der islamischen Barbarei und dem "zivilisierten" Westen aufzuzeigen. Die Förderung des anti-arabischen Rassismus ist besonders nützlich, als Rechtfertigung für zeitgenössische Kreuzzüge zur "Rettung" des modernen Äquivalents der Heiligen Grabstätte: die Ölfelder des Nahen Ostens.

Sorgen über den islamischen Fundamentalismus schaffen auch einen akzeptablen Deckmantel für die Intellektuellen des US-Außenministeriums, um ihre Faszination über die Möglichkeit von zukünftigen Rassenkriegen auszudrücken. In der Ausgabe der einflussreichen amerikanischen Publikation, Foreign Affairs, vom Sommer 1993 beschwor Samuel Huntington das Gespenst eines "konfuzianisch-islamischen" Bündnisses zwischen einem japanischen/chinesischen/ost-asiatischen Block und einem sich wiedererhebenden islamischen fundamentalistischen Nahen Osten, gerichtet gegen die westliche christliche Hegemonie. Die Existenz eines solches Paktes kann zwar nur als Halluzination bezeichnet werden, doch Huntingtons Artikel (mit dem wörtlich übersetzten Titel "Der Zusammenstoß der Zivilisationen", auf deutsch unter dem Titel "Kampf der Kulturen" veröffentlicht) ist symptomatisch für die Angst der amerikanischen Bourgeoisie, eines Tages von ihrem Platz an der Spitze der imperialistischen Weltordnung verdrängt zu werden.

Die hysterische Opposition zum Islam wurde in eine Welle chauvinistischer Angriffe auf in der westlichen Welt lebende Muslime umgewandelt. Ein Beispiel war die vor kurzem getroffene Entscheidung der französischen Regierung, das Tragen der Hijab [der traditionellen Kopfbedeckung, Anm. d. Red.], in öffentlichen Schulen zu verbieten. Britanniens Nationale Studentenvereinigung unterstützt die Verbannung islamischer Organisationen von den Universitäten. Unmittelbar nach der verbrecherischen Bombardierung eines Regierungsgebäudes in Oklahoma (offensichtlich durch christliche Rechte), beschuldigten die US-Medien muslimische Extremisten. Dies führte zu einem Ausbruch hässlicher rassistischer Angriffe im ganzen Land. Die Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern muss die demokratischen Rechte und religiösen Freiheiten der Muslime unversöhnlich verteidigen und sich gegen alle Fälle von chauvinistischem Verhalten stellen.

Der Aufschrei über den islamischen religiösen Extremismus ist besonders heuchlerisch, wenn er von den Herrschern der USA kommt. Jeder neue amerikanische Präsident, ganz gleich ob Demokrat oder Republikaner, hat sich bei den rückständigen amerikanischen Massen mit Bekenntnissen seines eigenen tiefen christlichen Glaubens eingeschmeichelt. Während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus hat Ronald Reagan einmal bemerkt, er glaube, dass die im Buch der Offenbarungen prophezeite Apokalypse näher rücken könnte. Im Gegensatz zu den fanatischsten islamischen Extremisten besaß Reagan die Mittel, apokalyptische religiöse Wahnvorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen. Bevor George Bush (Senior) 1991 den Golfkrieg vom Stapel ließ, grub er den evangelischen Allzweck-Scharlatan Billy Graham zum Zwecke der Segnung des USA-Militärs aus, als sich dieses gerade auf das Hinmetzeln zehntausender wehrloser Irakis vorbereitete.

Während der muslimische Fundamentalismus in den Massenmedien weitgehend diskreditiert wurde, gibt es letzten Endes keinen notwendigen Widerspruch zwischen imperialistischen Interessen und islamischen Theokraten. Die USA haben schon lange innige Beziehungen mit Saudi-Arabien und den Golfstaaten aufrechterhalten, in denen die Scharia rigide durchgesetzt wird. Das Außenministerium ist auch immer in Verbindung mit den "gemäßigten" Islamisten geblieben, einschließlich Elementen in der algerischen FIS und unter den iranischen Mullahs.

Internationalen Investoren ist die Verfolgung der Frauen und Minderheiten durch Islamisten gleichgültig, aber sie sind beeindruckt von deren Antikommunismus und Verpflichtung auf Privatbesitz und soziale Ordnung. Die anspruchsvolleren kapitalistischen Kommentatoren über den Nahen Osten haben keine Schwierigkeit, zwischen Rhetorik und Substanz der islamischen "Revolutionäre" zu unterscheiden:

"Zu viele muslimische Länder sind keine Demokratien und zu viele dieser Nicht-Demokratien haben Regierungen, deren Ineffizienz und Unbeliebtheit sich mit der Unfähigkeit verbindet, ihre vorgeblichen Herrschaftsgebiete zu kontrollieren. Der Status quo wird nicht andauern. Seltsamerweise ist der Status quo für den Westen sehr angenehm …"

"… die wahrscheinlichste Quelle für die Ersetzung vieler existierender Regierungen - die islamische Erneuerung - könnte sich langfristig als beständigerer Partner für den Westen erweisen. Kurzfristig wird der Zusammenbruch des Status quo jedoch einige böse Auseinandersetzungen produzieren."

"Wenn sie die wirklichen westlichen Interessen gefährden - einen freien Ölmarkt, sicheren Luft- und Seeverkehr, die Sicherheit anständiger Verbündeter [wie Israel] - muss der Westen bereit sein, diese Interessen zu verteidigen. Je offensichtlicher er zur Verteidigung entschlossen ist, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass er den Abzug tatsächlich betätigen muss. Aber der Westen sollte sich darüber im Klaren sein, dass, korrekt gehandhabt, diese Streitigkeiten nur die üblichen Schwierigkeiten in einer Zeit des Übergangs sind und dass das Ziel, wenn der Übergang vollzogen ist, eine unkompliziertere Beziehung mit einem modernisierten Islam sein sollte" (Economist, 6. August 1994).

Die imperialistischen Mächte hatten ähnliche Konflikte mit einer früheren Generation neo-kolonialer, bürgerlich-nationalistischer Regime. Während Linke darauf vorbereitet sein müssen, mit allen einheimischen Elementen in neo-kolonialen Ländern gegen imperialistische Intervention einen militärischen Block einzugehen, darf der rhetorische Anti-Imperialismus der Islamisten nicht über deren grundlegend reaktionären Charakter hinwegtäuschen.

Die britische SWP: 'Mit den Islamisten, manchmal…'

In der Ausgabe des Socialist Review vom November 1994 kritisierte Chris Harman, eine der führenden Figuren in

Tony Cliffs britischer Socialist Workers Party (SWP) [in Deutschland vertreten durch Linksruck, der ehemaligen Sozialistischen Arbeitergruppe/SAG, Anm. d. Red.], die französische Lutte Ouvriere-Organisation korrekterweise für ihre Weigerung, muslimische Schülerinnen zu verteidigen, die wegen des Tragens des Hijab von der Schule verbannt wurden. Doch Harman wandte sich nicht einfach nur gegen diese Manifestationen religiöser (und rassistischer) Verfolgung durch den französischen Staat. Er ging viel weiter, indem er andeutete, die Botschaft der Islamisten "hätte zwei Seiten". Er schrieb, dass der Islam attraktiv für

"viele Frauen ist, für die das moderne Stadtleben wenig mehr zu bieten scheint als Armut und sexuelle Belästigung. Sie glauben, das islamische Recht könne sie irgendwie gegen die Verwandlung ihrer Körper in Waren schützen, selbst wenn das auch einen bestimmten Kleidungsstil zwingend macht und ihnen auferlegt, die Autorität ihrer Väter und Männer zu achten. Es scheint bestimmt besser, als die Gesellschaft von Sex Shops und der Weltbank, von reichen Frauen in westlichen Kleidern und teurem Make-up, die Autos mit Klimaanlage fahren, während arme Frauen zusehen, wie ihre Kinder vor Hunger oder Durchfall sterben."

Im Gegensatz zu islamischen Fanatikern sind Marxisten nicht gegen Sex Shops, westliche Kleider, Make-up oder Klimaanlagen. Wir wissen, dass die Kinder der Armen wegen der Zwänge einer irrationalen und ausbeuterischen ökonomischen Weltordnung sterben. Harmans Andeutung, dass das Tragen des Schleiers besser zu sein scheint, "als die Gesellschaft von Sex Shops" impliziert, muslimische Frauen träfen eine freie und absichtliche Entscheidung, persönliche Freiheit gegen den Schutz der suchenden Augen fremder und lüsterner Männer zu tauschen. Tatsächlich wird der islamische Kleidungskodex im allgemeinen durch den Terror gegen jene durchgesetzt, die es wagen, sich ihm zu widersetzen.

In "The Prophet and the Proletariat" ["Der Prophet und das Proletariat"], einem Hauptartikel der im Herbst 1994 erschienenen Ausgabe des Theorieorgans der SWP mit dem Namen International Socialism [Internationaler Sozialismus], zitiert Harman Ali Belhadj, den Führer des extremen Flügels der FIS:

"Können Sie sich eine größere Gewalttat vorstellen, als jene dieser Frau, die vor den Augen aller an einem öffentlichen Platz das Kopftuch verbrennt und erklärt, der Familienkodex bestrafe Frauen, und dabei die Unterstützung von Verweiblichten, Halbmännern und Transsexuellen findet …

Es ist nicht gewalttätig wenn man fordert, dass die Frau im Heim bleibt, in einer Atmosphäre von Keuschheit, Zurückhaltung und Demut, und dass sie nur in den Fällen das Haus verlässt, die der Gesetzgeber als notwendig definiert, … die Trennung der Geschlechter unter Schülern zu verlangen sowie das Fehlen der stinkenden Geschlechtermischung, die sexuelle Gewalt verursacht …"

Harman legt sehr wenig Nachdruck auf die dringende Notwendigkeit, die tödliche Gefahr zu bekämpfen, die von der FIS und ihren Ablegern gegen unverschleierte Frauen, "Halbmänner", Berber und die französischsprachige Bevölkerung ausgeht. Am Ende seines 55-seitigen Artikels bemerkt er, "wir werden sowohl in der Verteidigung der Islamisten gegen den Staat als auch in der Verteidigung der Frauen, Berber, Kopten gegen einige Islamisten involviert sein". Aber dieser Hinweis auf Opposition gegen die Exzesse "einiger" Islamisten (vorgebracht im Kontext der Verteidigung der Islamisten) widerspricht der Ausrichtung im Rest des Artikels, in dem die Möchtegern-Theokraten, die die Angriffe gegen die "Ungläubigen" anfeuern und organisieren, als "kleinbürgerliche Utopisten" bezeichnet werden:

"Radikaler Islamismus, mit seinem Projekt der Wiederherstellung der Gesellschaft nach dem Modell Mohammeds im 7. Jahrhundert in Arabien, ist tatsächlich eine "Utopie", ausgehend von einem verarmten Teil der neuen Mittelklasse …"

"Sozialisten können kleinbürgerliche Utopisten nicht als unsere Hauptfeinde betrachten."

Wen dann betrachtet Harman als "Hauptfeind" der Arbeiter, Linken, Kurden, Schwulen und Frauen im Iran? Aus der Sicherheit seines englischen Studierzimmers versichert er seinen Lesern: "Der Islamismus kann die wirtschaftliche und damit soziale Entwicklung nicht stärker einfrieren als es irgendeine andere Ideologie kann." Ein billiger Trost für algerische Berber, christliche Kopten in Ägypten, Schwarze im Sudan oder Homosexuelle und Linke in der gesamten Region.

Die Anhänger des Tony Cliff & Irans "revolutionäre" Mullahs

Harmans distanzierte philosophische Haltung gegenüber den islamischen Fundamentalisten ist keine individuelle Blindheit. Im allgemeinen tendierte die SWP-Führung - motiviert durch eine Kombination von Dritte-Welt-Pseudo-Anti-Imperialismus und Anti-Sowjetismus - zu einer positiven Betrachtung der Islamisten. Harman lässt sich darüber aus, wie "die große Menge der iranischen Linken" anfänglich die "islamischen Bewegungen als 'fortschrittliche', 'anti-imperialistische' Bewegungen der Unterdrückten" beschrieb, doch seinerzeit spielte die SWP selbst die Gefahr der islamischen Reaktionäre herunter:

"Die prominentesten Führer der Opposition sind die muslimischen Führer. Die Presse übertreibt das. Trotz all seiner Brutalität, so wird argumentiert, ist der Schah den rückständigen religiösen 'Freaks' vorzuziehen. Dies zeigt nur deutlich die Ignoranz der Presse."

"Der Iran ist nie eine Brutstätte für muslimischen Fanatismus gewesen. Im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten gibt es dort keine extrem rechtsgerichteten Organisationen mit religiösen Verbindungen. Ganz im Gegenteil. Sie stehen an der Spitze der oppositionellen Massenbewegung, weil es keine Alternative gibt. Sowohl die Linken als auch die Nationalisten sind zu schwach, ihre Führer herauszufordern" (Socialist Worker, 16. September 1978).

Die wesentliche "Schwäche" der iranischen Linken war politisch - sie verschloss die Augen vor der Realität der Khomeini-Anhänger und schloss sich deren "revolutionärer" Massenbewegung gegen den Schah an. In seinem Artikel in International Socialism hält es Harman für notwendig, einem früher erschienen Artikel eine umfassende Fußnote mit kritischen Bemerkungen zu widmen. Dieser Artikel erschien unter der Überschrift "Islamic Fundamentalism - Oppression and Revolution" ["Islamischer Fundamentalismus - Unterdrückung und Revolution", www.marxists.de/religion/marshall/index.htm] in einer Ausgabe derselben Publikation vom Herbst 1988. Harman kritisiert den Autor, Phil Marshall, für seine Beschreibung der Islamisten als jene, die einfach "den Kampf gegen den Imperialismus ausdrücken", für sein Versagen, nicht "die kleinbürgerlichen Grenzen der islamischen Bewegungen zu sehen" und für seine fälschliche Gleichsetzung dieser kleinbürgerlichen Bewegung [sic} mit den "sich erhebenden, anti-kolonialen Bewegungen der frühen 20er Jahre".

Aber Marshall brachte nur die Linie der SWP-Führung zum Ausdruck. Harman ist unangenehm bewusst, dass seine Kritik an anderen Linken für deren politische Anpassung an die Mullahs genauso auf die SWP angewendet werden kann. In einem Artikel über den Iran/Irak-Krieg, veröffentlicht zur selben Zeit wie Marshalls Artikel (fast zehn Jahre nachdem Khomeini an die Macht kam), erklärt Alex Callinicos, der als fähigster Theoretiker der Gruppe gilt, die Ideen der SWP für eine revolutionäre Strategie der iranischen Linken:

"Es hätte bedeutet, dass Revolutionäre von den Mullahs gefordert hätten, einen revolutionären Krieg gegen die USA und ihre Verbündeten zu führen, dass, wie ich am Anfang des Krieges schrieb, sie 'Teheran zum Leuchtfeuer einer wirklichen Revolution in der gesamten Region machten - den Kurden, Arabern und anderen nationalen Minderheiten das Recht auf Selbstbestimmung zugestehen, Organe der Volksmacht errichten, für die Befreiung der Frauen vom islamischen Joch kämpfen' (Socialist Worker, 4. Oktober 1980)" (Socialist Worker Review, September 1988, Hervorhebung im Original).

Vermutlich würde die SWP nicht fordern, dass die Mullahs als "Leuchtfeuer einer wirklichen Revolution" agieren, es sei denn, sie betrachteten sie als Führer "'fortschrittlicher', 'anti-imperialistischer' Bewegungen der Unterdrückten".

Bei dem Versuch, die Vergangenheit der SWP zu bereinigen, spielt Harman die zentrale Rolle des Ajatollahs Khomeini in den Ereignissen, die zum Sturz des Schahs führten, herunter. Die Fakten liegen jedoch schwarz auf weiß vor. In The Wrath of Allah (Der Zorn Allahs), veröffentlicht 1983 bei Pluto Press, schildert Ramy Nima (ein Genosse Mike Kidrons, eines langjährigen Unterstützers Cliffs), wie die Periode der Proteste, die schließlich den Schah stürzte, mit einem Artikel im Januar 1978 in der halb-offiziellen Presse des Regimes begann, der "die Geistlichkeit als 'schwarze Reaktionäre' bezeichnete und Khomeini beschuldigte, ein britischer Spion zu sein, der Gelder aus England bekommt und in Wirklichkeit ein Fremder ('dieser indische Sayyed') ist, der Liebesgedichte erotischer Natur geschrieben hatte."

"Dieser Artikel war der Funke, der eine ganze Reihe explosiver Ereignisse zündete, die das Pahlevi-Regime in den Grundmauern erschütterte. Theologiestudenten in Kum starteten eine massive Demonstration. Der Basar schloss aus Protest & In den folgenden zwei Tagen des Kampfes wurden etwa 70 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt."

"Der Vorfall in Kum kennzeichnet den Punkt, von dem aus die religiöse Opposition sich unter der Führung der militanten Geistlichkeit und der Moschee in Richtung einer islamischen Revolution und eines unvermeidlichen Zusammenstoßes mit den Kräften des Staates bewegte."

Harman erkennt an, dass Khomeinis Name "begann, die Opposition zur Monarchie zu symbolisieren", verniedlicht aber den Umfang, in dem die islamische Ideologie die Proteste charakterisierte:

"Bei seiner Rückkehr nach Teheran im Januar 1979 wurde er [Khomeini] zum symbolischen Führer der Revolution."

"Doch in diesem Stadium war er weit davon entfernt, die Ereignisse zu kontrollieren, obwohl er einen scharfen Blick für politische Taktiken hatte. Die Schlüsselereignisse, die den Schah stürzten - die Ausweitung der Streiks, die Meuterei innerhalb der bewaffneten Kräfte - fanden völlig unabhängig von ihm statt."

Harman versucht hier einen politischen Taschenspie-lertrick. Khomeini war die zentrale Figur (und auch der "symbolische Führer") lange bevor er im Januar 1979 aus dem Flugzeug trat, aber das heißt nicht, dass er persönlich die Kontrolle über die Ereignisse in jeder Kaserne, Schule und Fabrik hatte. Sein politisches Programm, zusammengefasst in der Forderung für eine "islamische Republik", war die Achse der Aufstände; seine Geistlichen organisierten die Massenproteste und sein Slogan "Allah Akbar" (Gott ist groß) war vorherrschend. Man muss sich nur die Photos der Demonstrationen mit ihren Bildern des Imams, den verschleierten Frauen und die Slogan ansehen, um zu verstehen, dass die iranische Revolution, die die SWP so begeisterte, politisch von den Mullahs beherrscht wurde.

Tony Cliffs Anhänger verglichen die Lage im Iran ausdrücklich mit "den beiden großen revolutionären Aufständen in Chile und Portugal in den frühen 70ern" (Socialist Worker (SW), 24. Februar 1979) und schildern sie so als eine Situation, in der eine sich erhebende Arbeiterbewegung die kapitalistische Staatsmacht konfrontierte. Khomeini wurde wie eine Figur behandelt, die nur geringfügige Verbindung zu den Ereignissen hatte - eine Art Vater Gapon. Der Socialist Worker vom 3. Februar 1979 schrieb: "Khomeini erhebt sich aus einem Vakuum, übrig geblieben in der Abwesenheit irgendeiner Partei, welche die Arbeiter unterstützen können und die wiederum die Arbeiter unterstützen kann."

Auf dieser Grundlage veröffentlichten die kanadischen Cliff-Unterstützer einen Artikel in der Ausgabe vom Februar 1979 ihrer Zeitung, betitelt "Die Form - Religion; Der Geist - Revolution". Er kommentierte:

"Khomeini hat viele reaktionäre Ansichten. Er ist ein absoluter Antikommunist. Aber in diesem Augenblick ist Khomeini ein symbolischer Brennpunkt für eine Revolte … Aber zu glauben, die Menschen im Iran kämpfen und sterben zu Hunderten und Tausenden nur um einen reaktionären Führer durch einen anderen zu ersetzen, ist absurd."

Mit dem Vorteil des Rückblickenden bedenkt Harman jetzt, dass:

"Der Sieg von Khomeinis Truppen im Iran war seinerzeit nicht unvermeidlich und hat auch nicht bewiesen, dass der Islamismus eine einzigartige reaktionäre Kraft ist … Er bestätigt lediglich, dass, in Abwesenheit einer unabhängigen Führung der Arbeiterklasse, ein revolutionärer Umsturz den Weg zu mehr als einer Form der Restabilisierung bürgerlicher Herrschaft freimachen kann" (International Socialism, Herbst 1994).

Khomeinis Sieg über die Arbeiterklasse war nur deshalb "unvermeidlich", weil seine linken Gegner ihre Augen verschlossen haben gegenüber der Gefahr, die die Islamisten darstellten. Sie fügten sich passiv seiner Führung und trösteten sich selbst mit der gleichen Art von Huldigung der islamischen Revolution, die Cliffs Anhänger im Ausland verkauften. Bei all dem wurde die Rolle der sozialistischen Avantgarde einem sich unerbittlich entfaltenden historischen Prozess anvertraut.

Es reicht nicht, wie Chris Harman, abstrakt zu beschwören, dass eine "unabhängige Führung der Arbeiterklasse" wünschenswert ist. Es war notwendig, klar zu sagen, welche programmatischen Positionen solch eine "unabhängige" Formation vorbringen sollte. Den iranischen Arbeitern hätte die einfache Wahrheit gesagt werden müssen, dass das Leben unter den Mullahs genauso schlecht wie unter der SAVAK sein werde und dass sie gegen die Versuche der Khomeini-Anhänger, eine islamische Republik zu etablieren, den Kampf für eine Arbeiterrepublik setzen sollten.

Während der kritischen Monate war der Socialist Worker damit beschäftigt, Fragen wie "Iran: Können die Soldaten die Generäle schlagen?" (10. Februar 1979) zu stellen und folgenden Rat zu erteilen: "Wenn sie gewonnen werden sollen, müssen sie überzeugt sein, dass die Revolution eine Verbesserung in ihrem Leben zuhause bringen wird". In der nächsten Woche, nach dem Triumph der Mullahs, war die Überschrift im Socialist Worker: "Iran: The glory" (17. Februar 1979, auf deutsch: "Iran: Die Herrlichkeit"). In derselben Woche verkündete die Überschrift auf der Titelseite des Workers Vanguard, dem Organ der internationalen Spartacist Tendenz (aus der die Internationale Bolschewistische Tendenz hervorging) eine andere Botschaft: "Nieder mit Khomeini! Für eine Arbeiterrevolution! Die Mullahs gewinnen". Für die SWP und den Rest der Opportunisten war dies unsinniges "Sektierertum".

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich die Erklärungen der SWP für ihre politische Anpassung denen der iranischen Stalinisten ähneln, die sich innerhalb der iranischen Linken als feigste Befürworter der politischen Revolution der Mullahs hervortaten.

"Die Tudeh Partei Irans betrachtete die Gründung einer Vereinten Volksfront als hauptsächliche Vorbedingung für den Sieg der Revolution, und mit einer solchen Strategie und solchen Taktiken nahm sie aktiv an der Revolution im Februar 1979 teil. Der Sieg der Revolution und der Charakter, den sie annahm, bewies die Richtigkeit der Analyse der Partei. Die Revolution von 1979 war eine nationaldemokratische Revolution mit einem populären, anti-monarchischen, anti-diktatorischen und anti-imperialistischen Inhalt. Trotz der Propaganda des gegenwärtigen Regimes hatte die Revolution keinen islamischen Inhalt. Die Februarrevolution hatte einen Klassencharakter und einen sozialen Charakter. Gleichzeitig ist es auch eine Tatsache, dass die revolutionäre Bewegung im Land, aus spezifischen Gründen, eine religiöse Form hatte" ("Assessment of the Policies of the Tudeh Party of Iran during the years 1979-83" Documents of the National Conference of the Tudeh Party of Iran (1986), ("Einschätzung der Politik der Tudeh Partei von Iran während der Jahre 1979-83", Dokumente der Nationalen Konferenz der Tudeh Partei von Iran (1986)); Hervorhebung im Original)

Nach Khomeinis Sieg stand die SWP mit der Tudeh und dem Rest der iranischen Linken auf der Seite Teherans im schmutzigen Krieg mit Saddam Husseins Irak. Und natürlich unterstützten Cliff & Co. überschwänglich auch die reaktionären, von der CIA finanzierten afghanischen Mudschaheddin bei deren Krieg gegen die modernisierende PDPA-Regierung und ihre sowjetischen Unterstützer. Harmans Slogan, der die Politik der Cliff-Anhänger zusammenfasst ("Mit den Islamisten manchmal, mit dem Staat niemals"), bedeutet eine Verallgemeinerung der früheren verheerenden Unterstützung der Khomeini-Anhänger gegen den Schah.

Nieder mit der islamischen Reaktion!

Harman äußert weise, dass die Linken dazu neigen, im Hinblick auf den Islamismus symmetrische Fehler zu begehen: sie bezeichnen ihn entweder als reaktionär oder als fortschrittlich und antiimperialistisch. Harman sucht den Mittelweg und schlägt vor, dass die Lehren des politischen Islam ausreichend widersprüchlich sind, so dass ihnen so ziemlich jeder Klasseninhalt gegeben werden kann:

"[Islamisten] wachsen auf dem Boden sehr großer gesellschaftlicher Gruppen, die unter der bestehenden Gesellschaft leiden und deren Gefühl des Aufstandes für fortschrittliche Zwecke benutzt werden kann, wenn eine Führung aus ansteigenden Arbeiterkämpfen käme. Und selbst ohne solch einen ansteigenden Kampf können viele der Menschen, die von radikalen Versionen des Islamismus angezogen werden, durch Sozialisten beeinflusst werden - vorausgesetzt, dass die Sozialisten die gänzliche politische Unabhängigkeit von allen Formen des Islamismus mit der Bereitschaft verbinden, die Chance zu ergreifen, individuelle Islamisten in wirklich radikale Formen des Kampfes mit einzubeziehen".

"Der radikale [Islamismus] ist voller Widersprüche. Das Kleinbürgertum wird immer in zwei Richtungen gezogen - zum radikalen Aufstand gegen die bestehende Gesellschaft und zum Kompromiss mit ihr. Und so ist der Islamismus immer gefangen zwischen der Rebellion für eine totale Wiedererrichtung der islamischen Gemeinschaft und dem Kompromiss, um islamische 'Reformen' durchzusetzen."

Jede Variante falschen Bewusstseins ist voller Widersprüche. Aber die "radikale Rebellion" der Islamisten ist nicht gegen die unterdrückenden und ausbeuterischen gesellschaftlichen Beziehungen der bestehenden Ordnung gerichtet; vielmehr richtet sie sich gegen alle noch so begrenzten Freiheiten, die die Unterdrückten für sich gewonnen haben. Die radikalen Fundamentalisten sind in keiner Weise ihren gemäßigteren Brüdern vorzuziehen; sie benutzen nur extremere Taktiken bei der Verfolgung derselben antiproletarischen Ziele.

Die islamische Bewegung wurde als Rammbock benutzt, um proletarische Einrichtungen zu zerstören, Streiks zu brechen und die besonders Unterdrückten zu verfolgen. Harman zitiert Algeriens FIS-Führer, Abassi Madani, der erklärt, warum er half, einen Streik der Müllabfuhrarbeiter im März 1991 zu brechen:

"Es gibt Streiks von Gewerkschaften, die zum Terrain für Aktionen von Verderbern wurden, von Feinden Allahs und des Vaterlands, Kommunisten und anderen, die sich überall ausbreiten, weil sich die Kader der FLN zurückgezogen haben."

Harman behandelt den Streikbruch der FIS-Führung jedoch so, als würde er ihrem Streben nach der Staatsmacht irgendwie widersprechen:

"Je mächtiger sie wurde, umso mehr wurde die FIS in Wirklichkeit zwischen Ehrbarkeit und Rebellentum gefangen. Dabei erzählte sie den Massen, sie dürften im März 1991 nicht streiken und riefen zwei Monate später im Mai zum Sturz des Staates auf."

Das ist Harmans Verwirrung, nicht Madanis. Das Rebellentum der FIS, wie das anderer extremer islamistischer Gruppen, ist direkt mit ihrer Feindseligkeit gegen die Arbeiterbewegung verbunden. Die "Massen", an die sich Madani wandte, - verzweifelte Kleinbürger und ins Lumpenproletariat herabgesunkene Jugendliche - schlossen nicht die Arbeiter ein, gegen deren Streiks er war; tatsächlich bestand das ganze Projekt der FIS in der Mobilisierung der "Massen" zur Zerschlagung der Arbeiter.

Harmans Argumentation reflektiert denselben "optimistischen" Objektivismus, der die SWP-Führung (und die anderen impressionistischen Linken) dazu brachte, 1978 Khomeinis islamische Revolution zu unterstützen. Die Grundidee ist einfach - jede Mobilisierung gegen den Staat, selbst mit einer erklärtermaßen reaktionären Führung und Absicht, ist zu begrüßen, da sie die Eigenaktivität der Massen fördert, die schließlich und endlich eine sozialistische Richtung einschlagen werden. Harman gibt zu:

"In Anbetracht seiner Grenzen gibt es keine automatische Entwicklung des islamischen Reformismus hin zu einer revolutionären Politik. Eher führen die Grenzen des Reformismus entweder zu Terrorismus und Guerrillaismus jener Gruppen, die versuchen ohne eine Massenbasis zu agieren, oder sie führen in Richtung eines reaktionären Angriffes auf die Sündenböcke für die Probleme des Systems."

Gleichwohl behauptet er, dass militant werdende "islamische Reformisten" eine positive Rolle spielen können und kritisiert jene Linken, die "es versäumen, die destabilisierende Wirkung der islamischen Bewegungen auf die Interessen des Kapitals im Nahen Osten einzubeziehen". Dabei schlussfolgert er wie folgt:

"Der Islamismus … mobilisiert die Erbitterung des Volkes, gleichzeitig lähmt er sie; auf der einen Seite baut er bei den Menschen das Gefühl auf, dass etwas getan werden muss, auf der anderen Seite lenkt er eben dieses Gefühl in eine Sackgasse; er destabilisiert den Staat und gleichzeitig begrenzt er den wirklichen Kampf gegen ihn".

Was Harman nicht erklärt (und auch nicht erklären kann) ist, warum Sozialisten Destabilisierung durch reaktionäre, theokratische Bewegungen willkommen heißen sollten. In der Socialist Review, Ausgabe Januar 1994, hat die SWP keine Mühe damit, die Hindu-fundamentalistische Bharatiya Janata Partei (BJP), berüchtigt für das Organisieren von Pogromen gegen Indiens muslimische Gemeinschaft, als "beinahe faschistisch" zu bezeichnen. Doch er benutzt andere Kriterien für die im wesentlichen ähnlichen islamischen Fundamentalisten.

Harman argumentiert, dass die Islamisten nicht per se als Reaktionäre gesehen werden sollten:

"Das Streben nach der Wiederschaffung einer mythischen Vergangenheit beinhaltet, die bestehende Gesellschaft nicht intakt zu lassen sondern sie neu zu gestalten. Mehr noch, die Neugestaltung kann nicht darauf abzielen, eine Kopie des Islam des 7. Jahrhunderts zu produzieren, da die Islamisten nicht jedes Merkmal der bestehenden Gesellschaft ablehnen. Im Großen und Ganzen akzeptieren sie die moderne Industrie, die moderne Technologie und vieles der Wissenschaft, auf der diese basieren - tatsächlich argumentieren sie, dass der Islam, als eine rationalere und weniger abergläubische Lehre als das Christentum, besser mit der modernen Wissenschaft im Einklang ist. Und so versuchen die 'Anhänger der Erneuerung' tatsächlich etwas zustande zu bringen, das vorher nie existiert hat, das alte Traditionen und die Formen modernen gesellschaftlichen Lebens verschmilzt."

"Das heißt es ist falsch, einfach alle Islamisten als 'Reaktionäre' zu bezeichnen oder den 'islamischen Fundamentalismus' insgesamt mit der Art von christlichem Fundamentalismus gleichzusetzen, der die Bastion des rechten Flügels der Republikanischen Partei in den USA ist."

Reaktionäre Appelle an eine Rückkehr traditioneller Werte beschwören unweigerlich ein goldenes Zeitalter, das tatsächlich nie existierte. Pat Robertson und der Rest der christlichen Reaktionäre in der Republikanischen Partei mögen davon träumen, die Uhr 80 oder 100 Jahre zurückzudrehen, aber sie wollen nicht das Amerika wiederschaffen, in dem die radikalen Knights of Labor und die Wobblies auf die Loyalität vieler arbeitenden Menschen zählen konnten. Die christlichen Fundamentalisten - wie ihre muslimischen Gegenstücke - "akzeptieren …die moderne Industrie, moderne Technologie und vieles der Wissenschaft, auf der sie basieren" und lehnen nur jene Teile der Wissenschaft ab, die im Widerspruch zur heiligen Schrift stehen. Sie sind geradezu begeistert von digitaler Kommunikation, Satellitentechno-logie und neuen Raketenlenksystemen.

Es gibt natürlich einen wichtigen Unterschied zwischen dem Charakter der politischen Reaktion in einem abhängigen kapitalistischen Land, wie dem Iran oder Algerien, und einer imperialistischen Supermacht. Doch Harmans Einwand dagegen, die Ideologien des islamischen und christlichen Fundamentalismus "gleichzusetzen", würde nur Sinn machen, wenn er den Islam als irgendwie näher an der Wahrheit betrachtet als das Christentum. Es ist mit Sicherheit keinen Deut vernünftiger zu glauben, Mohammed sei das Siegel des Propheten als dass Jesus das Lamm Gottes sei.

Gegen den Strom schwimmen

Der Aufstieg des islamischen Fundamentalismus ist eine Antwort auf ein Jahrhundert imperialistischer Herrschaft. Es ist unter anderem der Versuch eines Teils der Menschen der Region, besonders der kleinbürgerlichen Elemente, ihre Identität gegen die wirtschaftlich und kulturell dominanten westlichen Mächte zu behaupten. Ein Großteil der Linken weigert sich jedoch zu lernen - selbst wenn die Lehren in ihrem eigenen Blut geschrieben sind, dass nicht jede Antwort auf Unterdrückung notwendigerweise gesund oder fortschrittlich ist. Obskurantismus, radikale Kleinstaaterei, die Verehrung der rückständigsten Aspekte traditioneller Kulturen und eine Ablehnung gesellschaftlichen Fortschritts, der Wissenschaft und der Aufklärung als "westliche Dekadenz" - dies sind die üblichen reaktionären Nebenprodukte des imperialistischen Zeitalters. Und sie sind nicht weniger reaktionär, weil sie von einer Vielzahl der Opfer des Imperialismus hochgehalten werden. Marxisten müssen den Ursprung solcher Massenpathologien verstehen, ohne sich von ihnen anstecken zu lassen.

Die Unfähigkeit der SWP, die einfache Lehre aus ihrem Opportunismus über die iranische Revolution zu ziehen - dass der islamische Fundamentalismus reaktionär ist - wird vom Vereinigten Sekretariat und den meisten kleineren Gruppen der internationalen "trotzkistischen" Linken geteilt. All diese Gruppen schwören auf Trotzkis Opposition gegen die Unterstützung der stalinisierten Komintern für die bürgerlich-nationalistische Kuomintang (KMT) in den 20er Jahren. Doch Tschiang Kai-Tschek, der Führer der chinesischen KMT, gab vor, einen revolutionären Kampf zu führen, um die feudalen Grundbesitzer zu enteignen, demokratische Rechte für arbeitende Menschen einzuführen und die Frauen aus ihrer Unterdrückung zu befreien. Tatsächlich war Tschiang so "links", dass er die Ehrenmitgliedschaft in der Kommunistischen Internationale antrat und lauthals die Bolschewistische Revolution lobte. Kurz, er schien weit links von Ajatollah Khomeini und den heutigen Führern der reaktionären islamischen Fundamentalisten zu stehen. Die von Trotzki geführte Linke Opposition warnte jedoch, dass die chinesischen Kommunisten durch die Unterstützung der KMT ihre Köpfe auf die Schlachtbank legten.

Im Gegensatz zur KMT geben die heutigen Islamisten gar nicht vor, Linke zu sein oder die Rechte der Frauen und Unterdrückten voranzutreiben. Sie denken nicht daran, ihre reaktionären Ansichten und Ziele zu verhehlen. Die soziale Basis der islamischen Erneuerung, die die opportunistische Linke so beeindruckt, entsteht letzten Endes aus den wirtschaftlichen Deformationen, die der Imperialismus den neo-kolonialen Ländern aufzwingt. Der einzige Weg, die wirtschaftlichen Fundamente für die soziale Befreiung der Massen der muslimischen Welt zu legen, ist der revolutionäre Sieg der Arbeiterklasse, die an der Spitze aller Unterdrückten und Ausgebeuteten antritt, alle Imperialisten und ihre lokalen Verbündeten zu enteignen. Eine Partei zu schmieden, die in der Lage ist, solch eine Revolution zu führen, erfordert eine unversöhnliche Opposition gegen die religiöse Reaktion.